Death Proof. Bitte tut mir den Gefallen und LEST diesen TEXT, Danke schon mal.

Ich frage mich, ob es normal ist, 21 Jahre alt zu sein, zu Hause zu wohnen, keine Freunde zu haben, weil man das so will, weil man Menschen grundsätzlich abstoßend findet und sich, auch wenn man wollte, nicht dagegen zur Wehr setzen kann. Vielmehr frage ich mich, ob es normal ist, alles, was man in Angriff nimmt, nicht überwinden, bestehen oder schaffen zu können, bei der kleinsten Kleinigkeit in Schwierigkeiten zu geraten, weil an jeder Ecke, buchstäblich, Probleme auftauchen. Ich weiß nun wirklich nicht, ob es normal ist, mit einer derartigen Schwere aufzuwachen, aufzustehen, den Tag zu beginnen, den Tag zu beenden, ins Bett zu gehen, einzuschlafen. Eine Schwere, die drückt, schmerzt, keinen Platz für Hoffnung freilässt.

Ich kann nun wirklich nicht sagen, dass ich weiß, ob es normal ist, an allem zu scheitern, wenn andere, die augenscheinlich noch so dumm und linkisch sind, keine Probleme damit haben.

Und es schmerzt, zu wissen, dass man allein auf der Welt ist und das, selbst wenn man wollte. Man fühlt sich nicht zu Menschen hingezogen, kann das nicht ertragen, kann das einfach nicht ertragen und weiß, dass das niemand versteht. Niemand versteht, wie schmerzvoll und geradezu peinigend es sein kann, in die Nähe eines Menschen zu geraten, Dinge gefragt zu werden, die man nicht beantworten kann, berührt zu werden, obwohl man das nicht will und sind es auch nur zufällige Berührungen.

Mein Körper schmerzt, jeder Muskel schmerzt, weil ich mit dieser ständigen Angst leben muss. Wenn ich im Bett liege, dann halte ich die Hand auf mein Herz gepresst, weil ich Angst davor habe, mein Herz könnte den Brustkorb sprengen, solche Schmerzen habe ich. Ich liege zusammengerollt in meinem Bett, schließe krampfhaft meine Augen, sage mir immer wieder vor, dass ich einschlafen muss, dass es spät ist, dass Einschlafen kein Problem ist, dass ich mir die Schmerzen nur einbilde, dass ich mir, letztlich, mein Leben nur einbilde.

Ich wache auf und es fühlt sich jeden Tag so an, als wäre ich gerade erst aus einem Koma erwacht. Jeder Muskel schmerzt und ist angespannt, weil ich fortwährend damit rechnen muss, auf Gefahren zu stoßen. Ich begebe mich schwermütig ins Bad, wage kaum einen Blick in den Spiegel, verlasse das Bad, setze mich ins Wohnzimmer, sehe fern, höre nicht zu, mein Blick schweift ab, meistens ist er an die Wand gerichtet. Meine Gedanken kreisen um ein und dieselben Themen: Führerschein, den ich niemals bestehen werde; Vater, Mutter; Tod; Praktikum; Ausbildung; Angst vor geschlossenen Räumen; Angst vor Berührungen; Angst vor Interaktion; Angst vor der Zeit, die mir davonrast; Angst davor, immerzu abgelehnt zu werden; Angst davor, nicht mehr aus der Sackgasse herauszufinden; Fragen - warum man lebt; warum man den Führerschein macht, wenn doch alles schmerzvoll ist; warum man in seinem Leben noch nie etwas getan hat, was man auch wirklich tun wollte; warum man seit Jahren kein Interesse mehr hat; warum man lebt; warum man...lebt.

Ich bringe mich nur aus dem einen Grund nicht um: Ich hoffe auf den Tag, ab dem alles besser wird, obwohl ich selbst nicht daran glaube, weil ich insgeheim weiß, dass dieser Tag nie kommen wird. Er wird nie kommen, weil die Vergangenheit immer bleiben wird und weil die Vergangenheit nicht mit dem Weiterkommen, mit dem Leben an sich, vereinbar ist. Sollten die Ängste, der Hass, die Aversion irgendwann verschwunden sein? Menschen, das Leben, ist mir zuwider. Sollte das irgendwann nicht mehr so sein? Warum? Nichts macht Spaß. Beim Autofahren muss ich mich jedes Mal daran erinnern, was ich gerade mache. Ich muss meine Konzentration auf die Situation lenken, muss mir alles wieder neu vergegenwärtigen, von Mal zu Mal. Das ist nicht normal. Es gibt nicht viele Menschen, die so sind, die alles, was sie in Angriff nehmen, entweder nie oder erst sehr spät können.

Es war schon immer so. Oder vielmehr seit der 8. Klasse, als ich anfing, darüber nachzudenken, warum ich am Leben bin. Ich dachte schon früher darüber nach, aber der Tod meiner Oma, der Auszug meines Vaters, der Bruch mit meinen Freunden war der Auslöser. Der Lehrer, ein Deutschlehrer, wollte mit uns ein Spiel spielen. Gesellschaftsspiele, Mannschaftssportarten und dergleichen waren mir schon immer zuwider, weil ich keinen Sinn darin sah, nicht ausschließlich für sich selbst zu kämpfen. Ich dachte schon immer zu kompliziert. Im Kindergarten vermutete man, ich wäre hochbegabt. Dem Test zufolge traf das zu. Aber der Autismus, von dem im Grunde niemand weiß, weil ich nicht darüber spreche (entweder man weiß nicht darüber Bescheid oder man nimmt keine Rücksicht darauf, also warum nicht wie ein Idiot dastehen wollen); sogar meine Mutter dementiert den Autismus. Sprach sie in all den Jahren ein einziges Mal darauf an, worauf sie erwiderte: "Würdest du bitte mein Wohnzimmer verlassen!"

Aber ich weiß, dass ich leicht autistisch bin, doch was nützt mir der Scheiß, wenn ich mit niemandem darüber spreche und nicht mal einen Psychotherapeuten besuche. Nichts. Demnach sollte ich mich wohl tatsächlich umbringen. Ich habe einfach keine Lust dazu, mit all den Krankheiten und dann noch mit der Vergangenheit leben zu müssen. Ich habe Angst und ich habe Schmerzen. Ich WILL das alles NICHT (mehr).

Wir spielten also ein Spiel -ich erzählte schon mal davon- und ich kapierte allen Ernstes nicht, was der Mann von mir wollte. Besser gesagt konnte ich es nicht nachvollziehen. Ich kam nicht hinter die Einfachheit des Spiels. Der Lehrer, dessen Standardsprüche wie folgt gingen: "8. Klasse Gymnasium (dabei "schlug" er die Außenseite der rechten Hand in die Innenseite der linken Hand) !"; "Tu niemals tun sagen!"; "Himmelhochjauchzend, zu tode betrübt." war der Verzweiflung nahe und ich wollte demungeachtet nicht kapieren.

In der Realschule mussten wir dann den 1.-Hilfe-Kurs absolvieren. Dabei gab es auch diverse Probleme. Vor allem dann aber in der 11. Klasse, als ich den Schwesternhelferinnenkurs absolvierte. Ich kapierte nie, wie man mit dem alten Blutdruckmessgerät umgehen sollte. Die ältere Schwester auf der Station nahm mich einige Mal beiseite und erklärte mir das wohlwollend, allerdings kapierte ich wieder nicht. Damals wollte ich das noch kapieren, aber irgendetwas blockierte mich, ich verstand nie, worum es ging. Ich verstand einfach nicht, warum ich das machen sollte und wozu das gut sein sollte und warum ich das ausgerechnet so machen sollte.

Ganz ehrlich, in all den Jahren (14 Schuljahre) war kein einziger Schüler in meiner Klasse, der mit diesen banalen und mikroskopischen Dingen in gleicher Weise Probleme hatte wie ich. Ich verstand oftmals die Sinnzusammenhänge nicht, zudem hasste ich es, in einer Gruppe über ein Thema diskutieren zu müssen, weil mich das meiste davon ohnehin nicht interessierte und weil ich, wenn ich etwas darüber wissen wollte, auch mit mir selbst darüber diskutieren könnte. Für angebliche Witze und Gags hatte ich ohnehin noch nie etwas übrig. Schönheit war mir schon immer egal. Für Musik (außer für Michael Jackson und die Prinzen oder irgendwelchen Klassik-Kack) begeisterte ich mich nie in dem Maße wie meine Freunde oder Klassenkameraden. Ich hatte nie das Bedürfnis auf ein Konzert zu gehen. Ich fand Bands, abgesehen von Take That (wegen Robbie) und CITA, langweilig, aber alle meine Freundinnen nicht. Hier wurde ich schon mal ausgegrenzt. Als Kind tanzte ich, wenn ich musste, nie richtig gerne. Ich sträubte mich gegen das Tanzen in und mit der Gruppe. Ich sträubte mich im Grunde genommen von jeher gegen alle Dinge, zu denen ich gezwungen wurde. Im Kindergarten hasste ich die Aufführungen. Ich hasste es grundsätzlich, fotografiert zu werden, also Klassenfotos, weil ich keinen Sinn darin sah, mir dafür die Haare zu kämmen oder mich gerade hinzusetzen. Das allererste Foto (Kindergarten, ich war 3), das gemacht wurde, bereitete mir große Angst. Ich konnte nicht nachvollziehen, was vor sich ging. Ich wusste nicht, warum die beiden großen Frauen die Stühle in einer Reihe aufstellten und ich wusste nicht, warum ich mich auf einen der Stühle setzen und lächeln musste. Setzen musste ich mich zwar, aber ich ich lächelte nicht, ich sah ängstlich, verschreckt und missbilligend in die Kamera. Alle anderen Kinder wussten anscheinend, was vor sich ging: Sie lachten und sahen direkt in die Kamera.

Als dann das Klassenfoto in der 1. Klasse gemacht wurde, saß ich sehr lässig auf dem Stuhl, ich rutschte ziemlich tief, ließ die Arme nach unten baumeln. Meine Mutter bemängelte das sehr (Aussehen bedeutete ihr schon immer alles oder wenigstens ziemlich viel; komischerweise war ich immer das einzige (oder eines der wenigen) Kind, das zu Fasching ein perfektes Make-Up, mit einem ebenso perfekten Lidstrich von seiner Mutter verpasst bekam. Die Haare bekam ich als Kind immer von meiner Mutter gewaschen. Erst kam das Shampoo, dann die Spülung, dann der Schaumfestiger, dann wurden die Haare leicht angeföhnt und anschließend stundenlang mit einem Lockenstab aufgedreht (so wie meine Mutter sich das bei sich auch macht, seit ihrem 11. Lebensjahr oder so, auch was die Schminke betrifft, seit meine Mutter 12 oder 13 war, ist sie nicht mehr ungeschminkt oder unfrisiert aus dem Haus gegangen; was ich aber sehr verständlich und richtig finde; da ich das schon allein aus Gewohnheit, Sitte und Anstand genauso handhabe, was meiner Mutter aber dennoch gelegentlich missfällt, weil die Haare farbiger und frischer und seidiger sein könnten, der Pony soll nach oben geföhnt werden, die Haare nach außen, ein paar Strähnchen, oder eine Tönung; auffälliges Augen-Make-Up, Kleidung mit viel Glitzer und Glamour...). Am liebsten hätte mich meine Mutter in Ballkleidern und ultra-auffälligen Glitzer-Klamotten gesehen, als würde ich jeden Abend eine Vorstellung im Zirkus oder so geben. Aber natürlich durfte ich mir meine Klamotten dennoch immer selbst aussuchen. Ich mochte Nikki-Stoff und meistens das, was auch meiner Mutter gefiel. Ich fühlte mich zumindest zeitweise gut in der Obhut meiner Mutter. Ich wurde überbehütet, mir wurde vieles abgenommen. Das war falsch. Vielleicht einer der Gründe dafür, warum ich heute so bin wie ich bin. Mein Vater hat immer sehr auf meine Körperhaltung geachtet. Immer dann, wenn ich beim Essen nicht gerade genug saß, wurde ein Foto von meiner Körperhaltung gemacht. Grundsätzlich hatte mein Vater etwas an dem, was ich machte, auszusetzen. Wenn ich eine 1 schrieb und auch nur einen Fehler hatte, bekam ich Strafarbeiten, dann wurde gleich ein Plan, den ich abzuarbeiten hatte, aufgestellt und er stellte mir immer wieder die Frage: "Warum hast du das falsch gemacht, das haben wir doch zu Hause geübt? Warum kannst du nicht einmal etwas vollständig richtig machen?" Für die Ferien gab es auch Pläne, die wurden dann zusammen vorher aufgestellt. Am Abend wurde ich dann abgefragt und wenn ich etwas nicht konnte, kam ich entweder in den Keller, wurde verprügelt und musste natürlich trotz der Schläge auf die Fragen antworten. Wenn wir in den Urlaub gefahren sind, hat er mich zwischendurch immer wieder gefragt, wo wir gerade waren, also in welcher Ortschaft, in welcher Stadt. Wusste ich nicht sofort die Antwort, machte er mitten auf der Straße eine Vollbremsung (woher kenne ich das wohl..) und drohte mir damit, mich beim nächsten Mal, wenn ich etwas nicht wusste, auszusetzen: "Dann kannst du zu Fuß laufen!", hieß es dann. Über den Urlaub musste ich auch immer einen Aufsatz schreiben, die ich vermutlich alle aufgehoben habe. Würde mein Scanner funktionieren, aber das ist nicht so.

Für meine Mutter war es immer wichtig, dass alles funktionierte, dass mein Vater nichts zu beanstanden hatte, dass alles reibungslos verlief, dass ich gute Noten schrieb, Freunde hatte, keinen Ärger machte, erfolgreich war. Für meinen Vater war es wichtig, dass alles, ohne dass er etwas dafür tat, reibungslos verlief. Er beteiligte sich nie an der Erziehung, er war lediglich dafür zuständig, mich zu bestrafen, wenn etwas nicht gelang. Er hat mich kein einziges Mal gewickelt oder mit mir gespielt, mich nur gedemütigt und schlecht behandelt. Meiner Mutter wurde selbst vorgeworfen, dass sie dafür verantwortlich war, dass ich ständig schrie als Baby. Ich schrie in einer Tour, kam sogar einige Male ins Krankenhaus. Dort hieß es, als mein Vater Kontrollanrufe tätigte, dass ich schlafen würde, was mein Vater natürlich glaubte. Meine Mutter war total verzweifelt zu diesem Zeitpunkt, wegen meinem Vater und wegen der Last, die auf ihr alleine lag, wegen dem schreienden Baby, ihrer kranken Mutter und ihren eigenen Problemen. Jedenfalls sagte mein Vater aufgrund des Anrufes zu meiner Mutter: "Die im Krankenhaus sagen, dass das Kind schläft. Kein Wunder, dass das Kind bei dir immer schreit, so wie du aussiehst." Als meine Mutter dann allerdings am nächsten Tag ins Krankenhaus fuhr, schrie ich wie am Spieß. Oder auch als meine Mutter schwanger war. Sie hatte unendliche Schmerzen, seelisch sowie körperlich. Sie hat mir erzählt, dass sie immer, um meinen Vater nicht zu belästigen mit irgendwelchen Problemen, rausgegangen ist in den Garten und immer hin und her gelaufen ist, sich auf die Lippe gebissen hat, die Nägel in die Handballen gegraben hat, weil sie das alles nicht mehr ausgehalten hat. Irgendetwas war da noch, während der Schwangerschaft, fällt mir aber im Moment nicht ein. Jedenfalls ist mein Vater Schuld an allem: An der psychischen und physischen Verfassung meiner Mutter, an meiner Verfassung, daran, dass meine Mutter jetzt kein Geld hat, daran, dass es meiner Oma auch nicht gut ging, weil er sie (wie ich auch, wie bereits erwähnt) wie den letzten Dreck behandelt hat. Wäre mein Vater nicht gewesen, hätte meine Mutter wahrscheinlich noch ein zweites Kind bekommen, dann wäre das alles nicht passiert, dann wäre ich heute nicht so vollkommen wahnsinnig, dann würde ich vielleicht noch leben (wollen).

Alles, was mit Körperkontakt oder unfreiwilliger Beteiligung zu tun hatte, verabscheute ich von jeher. Ich wollte nicht tanzen oder singen, kein Referat halten, nicht ausgefragt werden, keine Tests schreiben, nicht arbeiten.

Das einzige, woran ich als Kind Freunde hatte, war viel Blödsinn machen, andere Leute austricksen oder quälen, Leichtathletik, Tennis, Skaten, Golfen, Angeln, Fische töten und ausnehmen, den Leuten Streiche spielen, gemein sein, lesen, Theater spielen, mich (oder andere) auf Kassette aufnehmen, mir Szenen ausdenken, um die ebensolchen mit der Kamera festzuhalten, mir neue, hinterlistige und gemeine Spiele ausdenken,...

Aber alles, wozu ich aufgefordert wurde und was ich tun musste, fand ich grauenhaft, weil ich kein Verständnis dafür hatte, warum ich all diese Dinge tun musste und wozu das gut sein sollte. Ich wollte schon immer frei sein, morgens aufwachen und machen können, was ich wollte.

Seit der 8. Klasse habe ich für Pflichten, wie gesagt, überhaupt kein Verständnis mehr. Also klaute ich, also fälschte ich Unterschriften, also lernte ich nichts mehr, also schrieb ich nichts mehr auf Tests, also trank ich, also nahm ich Drogen, also prügelte ich mich, also schwänzte ich Schule, als beleidigte ich meine Eltern oder andere Menschen, also resignierte ich, also musste ich eine Prozesskostenhilfe in Anspruch nehmen, also wurde ich hochgradig depressiv, also hatte ich grundsätzlich keine Lust mehr auf dieses Leben.

Ehrlich gesagt weiß ich tatsächlich nicht mehr, warum ich überhaupt noch am Leben bin, warum ich diese Ausbildung machen werde, weil ich doch so großes Interesse daran habe, zu arbeiten oder freundlich und kommunikativ zu sein -alles Kriterien, die dieser Beruf erfordert. Ich weiß nicht, warum ich noch am Leben bin, warum ich den Führerschein mache, mich anschreien lasse, immer wieder die gleichen Fehler mache, extreme Probleme damit habe, mich auf etwas generell Menschliches einzulassen. Etwas Menschliches: Etwas, das für andere selbstverständlich ist. Etwas, das man lernt und dann kann.

Ich hingegen bin hoffnungslos, weil ich mich nicht der Welt zugewandt fühle, weil mein Geist nicht mit dem Körper agiert, ich agiere nicht automatisch, natürlich, ich bin ein Kunstprodukt, ich bin ferngesteuert. Heute war ich den Tränen nahe, weil ich mal wieder angeschrien wurde, weil ich einfach nicht mehr kann. Das ist es nämlich. Ich bin kaputt, kann nicht mehr, ich bin vollkommen leer. Wenn ich etwas tun muss, zwinge ich mich dazu, dann erfordert das 1000fach so viel Energie und also Kraft, dann komme ich nach Hause und bin vollkommen aufgelöst, dann sehe ich mich im Spiegel an und würde mich am liebsten auf der Stelle umbringen oder mir die Pulsadern aufschneiden, hinter zu meiner Mutter ins Schlafzimmer gehen und lachen. So kaputt bin ich. Meine Mutter kennt diese Gedanken nicht mal und hält mich schon seit Jahren für kaputt. Ich will mich verbluten sehen, irgendwie, ich will mir dabei zusehen, wie die Kraft aus meinem Körper schwindet, wie das Leben aus meinem Körper schwindet und ich immer seliger werde. Ich habe keine Lust mehr auf das Leben. Das hatte ich wohl schon auch als Kind nicht, weil ich im Alter von 1 oder 2 versuchte, "mir das Leben zu nehmen", indem ich nichts mehr aß und das, was ich aß, erbrach. Danach fiel ich vom Klettergerüst, von der Schaukel, vom Reck. Ich tauchte so lange, bis ich keine Luft mehr bekam, blieb unten, mein Vater zog mich wieder raus. Ich hing noch nie an diesem Leben, aber ich hatte damals, als ich noch Kind war, einfach keine Zeit dazu, mich mit dem Tod zu befassen. Ich lebte, weil meine Mutter und mein Vater mich jeden Tag abfragten und weil mein Vater jedes bisschen Wissen buchstäblich in mich reinprügelte. Wahrscheinlich wäre ich nicht mal ins Gymnasium gekommen, hätte meine Mutter mich nicht jeden Tag abgefragt und hätte mein Vater nicht ständig mit mir Mathe gelernt. Dann hätte ich mir zumindest die beschissene Zeit gespart, aber was soll's. Ich war schon intelligent, aber ich war auch schon immer kaputt, also gestört. Ich quälte Menschen, vor allem Kinder, ich hatte Spaß daran, Tiere sterben zu sehen oder gar selbst zu töten. Ich hatte nie Spaß daran, mich in großen Gruppen aufzuhalten, wollte Menschen immer nur für mich alleine oder gar nicht. Immerzu musste ich mich arrangieren, oft musste meine Mutter mich zurechtweisen, weil ich draußen im Garten stand, Corinna, die ich nicht ausstehen konnte, weil sie fett, naiv und nett war, und Stephanie zu Besuch hatte, und zu Corinna sagte, dass Stephanie gesagt hätte sie (Corinna), wäre dick. Ich wiederholte das die ganze Zeit, weil ich eifersüchtig darauf war, Steffi mit der Fetten teilen zu müssen. Ich stand also im Garten und sagte in einer Tour: "Steffi hat gesagt, du bist dick." Als Steffi sagte, dass sie das nicht gesagt hätte und als Corinna sagte, dass sie das nicht glaubte, wiederholte ich demungeachtet: "Steffi hat gesagt, du bist dick." Meine Mutter dachte, sie traute ihren Ohren nicht, und rief mich zu sich rein. Bekam einen Anschiss, ging wieder raus und war wütend. Corinna fragte dann, was los wäre (dumm halt) und Steffi antwortete: "Na, nen Anschiss hats bekommen."

Aber so extrem, so sonderbar, bin ich erst, seitdem ich keine richtigen Freunde mehr habe und seitdem ich mich an das Alleinsein gewöhnt habe. Früher hatte ich gar keine Zeit, mir Gedanken über diese ganze Scheiße zu machen. Ich war zwar schon immer seltsam, raffte die simplen Dinge erst nach mehreren Anläufen, aber ich war immerhin dazu in der Lage, in die Schule zu gehen und mit Menschen zusammen zu sein. Seitdem ich aber diese Ängste und Schmerzen habe, fühle ich mich wie gesagt nicht mehr dazu in der Lage, richtig zu agieren. Geist und Körper sind nicht im Einklag, reagieren unabhängig voneinander. Ich will das nicht, ehrlich gesagt. Das macht mich so müde. Ich habe eine Fahrstunde, komme nach Hause, bin vollkommen fertig, schmeiße mich auf mein Bett, könnte sofort einschlafen.

Ich habe nur eine einzige Möglichkeit: Tod sein.

Ich kann nicht leben, zumal ich weiß, dass Therapien mir nichts bringen, dass die Vergangenheit ekelhaft ist und niemals weichen wird, dass ich mich abscheulich finde, dass ich anderen Menschen..nichts Gutes wünsche.

Tja, that's the way it is, mal wieder.

 

Und dabei frage ich mich natürlich ebenso, ob es normal ist, einen Passwort-Blog zu führen, wenn nicht mal eine Sau mitliest oder auch nur Interesse daran zeigt. Kann das natürlich niemandem verübeln, da wäre ich die Letzte, die das jemandem zum Vorwurf machen würde.

Wobei, ich würde an deren, gar eurer, Stelle schon einiges anders machen. So wie es sich gehört eben, für ein menschliches Lebewesen.

 

Aber: Was soll ich JETZT machen? Der Fahrlehrer meint, ich hätte ein dickes Problem. Meine Mutter hat kein Geld, ich habe kein Geld. Womit soll ich all die Stunden bezahlen? Ha, ha, ha, ha, ha. Nein, ich lache nicht, ich stehe kurz vorm Kotzen, also würge ich. Ich weiß noch nicht mal, ob ich jemals zur Prüfung zugelassen werde, weil ich ein beschissener Krüppel bin. Und wer soll dann die Stunden zahlen? Meine Mutter wird, falls ich überhaupt jemals zur Prüfung zugelassen werde, zu mir sagen: "Du Stück Scheiße (das hat sie mir in den letzten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren oft gesagt), ich wusste ja schon immer, dass du zu nichts in der Lage bist, aber wenn selbst ich damals nach 20 Stunden meine erste Prüfung gemacht habe, dann wirst du doch, mit deinen 21 Jahren, wohl dazu in der Lage sein, den Führerschein endlich zu bestehen. Erst letztes Jahr habe ich wegen dir deine ganzen Prozesskosten und Strafanzeigen zahlen müssen, hat mich das schon einiges gekostet, aber das (Sie deutet auf den Betrag) ist ja wohl der Gipfel. Du bist doch nicht geistig oder körperlich behindert. Du bist zumindest körperlich gesund. Aber das ist ja kaum zu glauben, das darf man ja niemandem erzählen. Jeder Vollidiot, jeder Depp vom Land, aus jedem Kuhstall, schafft den Führerschein, nur du mal wieder nicht. Ich kann dir schon jetzt sagen, dass du dir da was überlegen musst. Das zahl ich nicht, hab ich ja eh schon kaum Geld, und dann noch die Kosten am Haus und für deinen Fraß, den ich mitfinanziere. Oh mein Gott, wie soll das nur in der Ausbildung werden, das schaffst du doch nieeee, nie (sie lacht) im Leben schaffst du das. Du bist ja so saudämlich, so blöd bist du, das kann man ja kaum glauben. Was hab ich da nur großgezogen, was für einen gestörten und lebensunfähigen Trampel, was für eine Ausgeburt der Hölle. Schau bloß, dass du so bald wie möglich ausziehst und wenn du draußen verreckst, ist mir das auch egal. Ich will dich hier nicht mehr sehen, du gottverdammtes Stück Scheiße."

Das sind die einzigen Unterhaltungen, die ich mit meiner Mutter führe.

Dabei weiß ich nicht mal, ob es gerechtfertigt ist, so etwas zusagen. Schließlich stimmt es wohl, dass ich zu nichts in der Lage bin. Aber ich weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Ich weiß es wirklich nicht, ich habe keinen Plan (mehr), ich bin so hilflos, ich bin so verzweifelt, vollkommen am Ende.

Ich habe eine alte, kranke und jammernde Mutter zu Hause, die mich zum Teufel schicken will, die nicht einen Funken an Zuneigung für mich übrig hat, ich habe einen unüberschaubaren Berg an Problemen und eine Masse an Leuten, die mich für geisteskrank, dumm und/oder arbeitsscheu hält. Ich weiß, dass ich nicht geisteskrank oder dumm bin. Aber ich habe keine Lust mehr, einfach nur keine Lust mehr.
Ich weiß, dass das stimmt, aber ich kapiere nicht, warum ich alleine bin. Das kapiere ich einfach nicht.

13 Theoriestunden habe ich schon, das habe ich mir aufgeschrieben. 14. müssen es sein. Allerdings behauptet die Alte von dem Alten, dass mir noch 4 Stunden fehlen. Jetzt kann ich mich also noch 4 Mal (mindestens, man weiß ja nie) zu den abartigen und saublöden, aber fähigen, worauf es ankommt auf dem Planenten Erde, Deppen reinsetzen, mir die stetig wiederholenden "Witze" des alten Mannes anhören, mich vor mir selbst, weil mir meine eigene Anwesenheit in diesem Raum bewusst wird, und vor den anderen ekeln.

Ich habe von Anfang an versucht, mich mit allen Situationen anzufreunden, aber ich kann es nicht mehr dulden, ich kann es nicht mehr mit mir selbst ausmachen, ich kann nicht mehr aufwachen, aufstehen, mit dieser erdrückenden Schwere. Ich kann das einfach nicht mehr ertragen.

Ich werde heute, weil ich mich nicht umbringe (heute), in die Theorie gehen. Eigentlich hätte ich einen Anruf tätigen müssen (Klinikum, wegen Impfung und Unterlagen), eigentlich hätte ich wegen der bevorstehenden OP zum Arzt gehen müssen. Aber nichts dergleichen habe ich getan. Habe mir, weil ich so wütend und erledigt war, also vorgenommen, am morgigen Tag den Anruf zu tätigen und zum Arzt zu gehen. Wer weiß, was passiert. Wahrscheinlich platze ich oder irgendein Organ bricht durch oder dann und wann ein Blutgerinsel, eine Blutung, die sich nicht stoppen lässt. Aber im Alter von 21 ein Tumor: Not bad.

Morgen habe ich den zweiten Teil der Nachtfahrt, mit der Indonesierin, die, wenn sie nach Hause kommt, zu ihrem Mann namens Florian sagt: "Mädchen nicht ganz...wie man sagt...richtig in Kopf." Jajaja, womit sie wohl Recht hat. Ich werde Fehler machen (nicht, weil ich mir das einrede, vor jeder Stunde trainiere ich mein Herz, dass es nicht während der Strecke schlapp macht) und angeschrien werden. Es werden weitere Stunden vereinbart. Nächste Woche werde ich im Klinikum sitzen (schon allein der Satz, du dumme Sau) und mir einen Scheißdreck anhören und einen Scheißdreck zuhören, mir vor Angst in die Hose pissen und auf das Shirt kotzen. Ich werde dennoch sitzen bleiben, vom Lächeln einen Krampf bekommen, weil ich es nicht mehr gewohnt bin, mir ein bis zwei Dinge merken [Dauer des Praktikums und "Wo sind die Toiletten?!?"], nach Hause gehen, kotzen, mich schlafen legen. Irgendwann werde ich vermutlich die theoretische Prüfung absolvieren und, vielleicht, bestehen. Dann werde ich Stunde um Stunde nehmen, Geld, das ich nicht mal besitze, wird mir aus Tasche gezogen, der August rückt näher, ich habe keine Freunde oder Eltern, aber eine handfeste Depression, ich werde am 3. August erneut im Klinikum erscheinen, mein Praktikum, von dem ich nicht mal weiß, wie lange es dauern wird, beginnen, mich selten blöd anstellen, auf den September warten, mich vor der Kälte und den Blättern ekeln, vielleicht inzwischen den Führerschein bestanden haben, was ich nicht glaube, weiterhin meine Texte, die ich noch kein einziges Mal eingeschickt habe, warum, das weiß ich selbst noch so genau (oder doch: weil ich mich für untalentiert und lächerlich halte), horten, mich für nichts interessieren, keine Freundschaften schließen, Gedanken bunkern, neue Ängste entstehen lassen, irgendwann zusammenbrechen, alles auf meine exzessive Dummheit schieben, dem Oktober freudig entgegenfiebern (ja genau), am 1. Oktober meine Ausbildung antreten, Ängste haben, Fehler machen, zur Rede gestellt werden, mich entweder baldigst umbringen oder rausgeschmissen werden, von meiner Mutter auf die Straße gesetzt werden und mich im Anschluss dazu umbringen.

Der Fahrlehrer sitzt gerade beim Essen und sagt zu seiner Frau: "Oh mein Gott, also das Mädchen, ich weiß echt nimmer, was ich mit der noch machen soll. Mir grausts vor jeder Stunde, die kapiert einfach rein gar nichts. Ich halts echt nimmer aus." Und die Frau wird erwidern: "Ach, mach da nichts draus. Ich fand sie schon vom ersten Augenblick an komisch. Aber irgendwann wird sies schon schaffen. Oder meinst net?" Und er wird antworten: "Da bin ich mir mittlerweile gar nimmer so sicher. Die macht Fehler, des haltst echt net aus."

Tja, wenigstens kann ich tippen und Leute imitieren.

 

Der Eindruck täuscht; ich bringe mich natürlich so bald wie möglich um.

19.3.10 17:36

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Timo (20.6.10 20:19)
Sag mal, willst du/kannst du in der zweiten Juli-Woche mit nach Tschechien fahren?


isa (21.6.10 04:23)
ab dem 15. bin ich auf mallorca. was treibst du dort - benzin?

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