Mörderisches Souvenir.

Während ihr euch ausgeschlafen habt, habe ich alte und kostbare Schätze ausgegraben, habe also gewissermaßen Grabschändung betrieben, sofern man davon ausgeht, dass ich mich an den Gräbern irgendwelcher Vorfahren zu schaffen gemacht habe.
Wie dem auch sei, wollte eigentlich nur sagen, dass ich erneut ein paar Textzeilen wiedergeben möchte, die mir im Laufe des Tages ins Auge stachen.

Aus Büchern, die ich bereits las und nun abermals lese.

Will und werde beginnen, jetzt.

Person A.:
"Ich schrak auf. Der falsche Kurs. Mein Blick auf sie entkrampfte sich. Warum sollte ich an ihren Tod denken? Dann erkannte ich: Nur wenn sie tot war, konnte ich sie so lieben, wie ich sie zu lieben glaubte! Immer wieder der Schauspieler! Du hast sie einmal geliebt, aber du warst zu selbstzufrieden bei dem Gedanken, außer dir noch jemand anderes lieben zu können, dass du sie darüber fast sofort vergessen hast, Du hast dir selbst bei der Liebe zugesehen. Du hast sie selbst zu dieser Tat getrieben, um wieder fühlen zu können. Sie zu verlieren hieße sie wiederzufinden. Ich kniff mich selbst, wie um mich zu überzeugen, dass ich überhaupt fähig war zu fühlen. "Ja, du bist nicht aus Holz gemacht. Du hast Gefühle - aber sie sind fehlgeleitet. Dein Herz arbeitet sprunghaft. Du bist denen dankbar, die dein Herz bluten machen. Du leidest nicht ihretwegen, sondern du leidest um den Luxus des Leidens genießen zu können. Du hast noch nicht angefangen zu leiden, du leidest nur stellvertretend.""

Meine Gedanken hierzu:
Habe das Gefühl, als esse ich Hasenbrot. Esse seit Tagen nur Brot mit Honig, aber das hat nichts mit meinen Gedanken zum Text zu tun, war nur ein beiläufiger Einwurf.
Im ersten "Text" diesen Tages brachte ich bereits annähernd zum Ausdruck, wie ich darüber denke. Nur einem "toten" oder "totgeglaubten" Menschen kann man die Liebe zuteil werden lassen, die er verdient hat oder von der man glaubt, er hätte sie verdient. Ich könnte also einer Person aus Fleisch und Blut niemals etwas gestehen, das einer Liebe gleichkäme, die von mir ausginge. Das könnte ich niemals tun, weil ich selbst nicht daran glaube, einer wahrhaftigen Person irgendein Gefühl zuteil werden zu lassen. Nicht einmal bei meinen Phantomvorstellungen kann ich fortwährend davon ausgehen, die Liebe zu ihnen gebührend erwidern zu können. Ein Einfaltspinsel sagte einst, man müsse, um andere zu lieben, gleichermaßen sich selbst lieben. Natürlich stimmt das, allerdings ist das ein allzu simpler Einfall, nichts von großer Bedeutung, also eine Voraussetzung, etwas, das man weiß und aber darüber hinwegsieht, etwas Abgenutztes eben, nichts, das heute noch von Interesse wäre. Aber weil ich mich selbst nicht zu schätzen weiß, weil ich sämtliche Anschläge auf mich selbst plane, weil ich herausbekommen möchte, wie ich es am besten anstelle, mich und schließlich meine Überreste zu beseitigen, kann ich auch niemanden sonst lieben. Weil ich mir selbst überdrüssig bin, bin ich natürlich auch des Lebens überdrüssig. Ein Schmerz durchzieht die Regionen meines Körpers, ein ziehender und keinesfalls stagnierender Schmerz, der mich in manchen Momente zumindest meiner Mutter gegenüber milde stimmt, weil ich mich mit einem Mal einem plötzlichen und unabwindbaren Tod sehr nahe fühle und mich wenigstens mit meiner Mutter einvernehmlich versöhnt haben möchte. Konflikte, die nie zur Sprache gebracht wurden, sollten beigelegt werden, ohne dass die Betroffenen etwas von der Beilegung mitbekommen werden. Blicke sollten getauscht werden, die hintergründig alles, aber vordergründig nichts bedeuten sollen. Der Tod meiner Großmutter hat mich zurückgeworfen. Heute bin ich wütend auf mich selbst, weil ich an ihr -und nicht an mir selbst- meine Wut ablud. Positiver Narzissmus kreuzt sich mit negativem Narzissmus. Zumeist nimmt eine solche Kreuzung ein böses sowie jähes Ende.

Person A.:
"Der Schock der Entlarvung, den die Entdeckung der ersten Lüge mit sich bringt, hat fast dieselben gefühlsmäßigen Grundzüge wie derjenige, den die Erkenntnis auslöst, dass man es mit einer geisteskranken Person zu tun hat. Verrat - die Angst davor hat ihre Wurzeln in der allgemeinen Furcht vor einem Persönlichkeitsverlust. Es muss für die Menschheit die Zeit von Äonen nötig gewesen sein, um die Wahrheit auf eine so hohe Stufe zu erheben, sie praktisch zum Angelpunkt der Individualität zu machen Der moralische Aspekt war ledigliche eine Begleiterscheinung der Bemantelung für einen tieferen, fast vergessenen Zweck. Und dass histoire Fabel, Lüge und Geschichte, alles in einem, sein sollte, war von einer nicht gering zu achtenden Bedeutung. Und dass man eine Geschichte, die als die Erfindung eines schöpferischen Künstlers aus gegeben wurde, als das wirkungsvollste Material ansah, um zur Wahrheit über ihren Verfasser zu gelangen, war auch bezeichnend. Lügen können nur in Wahrheit eingebettet sein. Sie haben keine Einzelexistenz; sie haben eine symbiotische Beziehung zur Wahrheit. Eine faustdicke Lüge enthüllt mehr, als die Wahrheit jemals enthüllen kann. Das heißt für denjenigen, der die Wahrheit sucht. Für ihn kann es nie ein Anlass des Ärgers oder der Vorwürfe sein, wenn er entdeckt, dass man ihn belügt. Es wird ihm nicht einmal Schmerz bereiten, denn alles würde offenkundig, entblößt und dekuvrierend. sein."

Meine Gedanken hierzu:
Möchte hier zum einen ein paar Folgesätze zur Sprache bringen, also erneut: " Lügen können nur in Wahrheit eingebettet sein. Sie haben keine Einzelexistenz; sie haben eine symbiotische Beziehung zur Wahrheit. Eine faustdicke Lüge enthüllt mehr, als die Wahrheit jemals enthüllen kann."
Nun, als hätte ich es erahnt. Mancher Autor hat anscheinend die Gabe, Dinge zur Sprache zu bringen, die ich, nachdem ich sie bereits aussprach und überdachte, erneut im Buch des ebendiesen Autoren entdecken kann, wenn ich denn das Buch gleich darauf (Ein Abstand, der in wenigen Tagen erfolgen muss.) lese. Schrieb nämlich in einem Beitrag vor ein paar Tagen, eine Lüge müsse gleichermaßen Wahrheit sein. Sie muss nicht nur, sie kann und ist es letztlich auch. Ja, eine Lüge ist gleichermaßen Wahrheit. Sie hat demzufolge, wie hier aufgeführt, keine Einzelexistenz und demnach eine symbiotische Beziehung zur Wahrheit. Und ich schrieb, dass eine Halbwahrheit mehr hervorbrächte als eine Lüge. Das muss ich hier partiell revidieren, weil wir ja zu der Erkenntnis gekommen sind (Ich vergaß, als ich schrieb, das hinzuzufügen, um nicht die Wahrheit, die wirkliche, zu verzerren.), dass eine Lüge immer auch Wahrheit beinhalten würde. Halbwahrheit ist aber dennoch richtig. Immerhin kann ich nicht einfach so sagen "Eine Lüge wäre aussagekräftiger als die Wahrheit." Ich muss also "Halbwahrheit" sagen, ohne mich zuvor erklärt zu haben. In Wirklichkeit hätte ich auch schreiben können: "Eine Lüge wäre aussagekräftiger als die Wahrheit. Wenn ich also "Lüge" sage, meine ich gleichermaßen die "Halbwahrheit", weil die Lüge ja eine Symbiose mit der Wahrheit hat. Das sind oft fließende Übergänge, wenn man von Lüge, Halbwahrheit und Wahrheit spricht. Für mich existieren im eigentlichen Sinne nur Wahrheit und Halbwahrheit. Mit Wahrheit meine ich die allumfassende, da meine ich "das Handtuch fallen lassen", "das völlige Preisgeben", "die Hingabe sich selbst oder einer anderen Person gegenüber", "das Nichtauslassen aller Wahrheiten, die man auf geradem Wege auf den Tisch bringen will". Ich meine die Schöpfung, all die Bücher, die man gerne geschrieben hätte, aber nicht schreiben konnte, weil man unfähig oder zeitweise sogar nicht willens war, die Wahrheit aufzuschreiben, die Wahrheit zu benennen. Selbst in den Gedankensträngen hatte die Wahrheit oft nichts zu suchen. Wahrheit durfte nur dann Wahrheit sein, wenn sie allumfassend war und auch allumfassend sein durfte, wenn man die Lizenz hatte, sie aussprechen zu dürfen. Die Verschleierung der Wahrheit brachte nämlich wiederum nur die Halbwahrheit hervor und das wäre nicht richtig gewesen.
Die Lüge gibt es nicht, weil ich bekanntlich niemals die volle Unwahrheit sprechen würde, weil eine Lüge auch partiell Wahrheit sein muss, um einen Gewinn daraus ziehen zu können.

Person A.:
"Es gibt Tage, an denen die Rückkehr ins Leben quälend und bedrückend ist. Man verlässt das Reich des Schlafs nur widerstrebend. Nichts ist geschehen, außer dass man sich bewusst geworden ist, dass die tiefere und wahre Wirklichkeit der Welt des Unbewussten angehört. So schlug ich eines Morgens nur widerwillig die Augen auf, mit allen Fasern meines Herzens bemüht, mich wieder in diesen wonnevollen Zustand zurückfallen zu lassen, in den mich der Traum gehüllt hatte. Ich war so verdrossen, mich wach zu finden, dass ich den Tränen nahe war. ich schloss die Augen und versuchte wieder in die Welt zurückzuversinken, aus der ich so grausam herausgerissen worden war. Es war vergeblich. ich versuchte jeden Trick von dem ich je gehört hatte, aber ich brachte es sowenig fertig als wollte ich ein fliegendes Geschoss aufhalten und es wieder in die leere Kammer eines Revolvers zurückschicken. Was dennoch blieb war die Aura des Traums: In ihr verweilte ich wollüstig. Ein tiefer Zweck war erfüllt worden, aber bevor mir die Zeit vergönnt war, seine Bedeutung abzulesen, war die Schiefertafel abgewischt und ich war hinausgestoßen worden. Hinaus in eine Welt, deren einzige Lösung für alle Probleme der Tod ist. Nur ein paar Brocken waren in meiner Hand geblieben, und ich hielt sie begierig fest wie die Brosamen, von denen es heißt, dass die Armen sie von der Reichen Tisch sammeln. Aber die vom Tisch des Schlafs fallenden Brosamen sind wie die mageren Fakten bei einem Verbrechen, das für ewig ein Rätsel bleibt. Diese noch frisch von Farbe tropfenden Bilder, die man beim Erwachen wie ein mystischer Scmuggler über die Schwelle mitnimmt, haben eine Art, diesseits die herzzerreißendesten Wandlungen durchzumachen. Sie zerschmelzen wie Eiscreme an einem schwülen Augusttag. Und doch, wenn sie zu diesem rudimentären Magma verschmelzen, das der Rohstoff der Seele ist, bleibt eine nebelhafte Erinnerung - für immer, mochte es scheinen - lebendig, der undeutliche und samtartige Umriss eines greifbaren, empfindenden, zusammenhängenden Ganzen, in dem diese Bilder sich bewegen und nicht ihr Dasein, sondern ihre Wirklichkeit haben. Wirklichkeit!" Das, was das Leben umfasst, erhält und erhöht. Und man sehnt sich danach, in diesen Strom zurückzukehren und für immer darin unterzutauchen. Was blieb dann von dieser unauslöschlichen Welt, aus der ich eines Morgens voll zarter Wunden erwachte, die in der Nacht so wirkungsvoll geheilt worden waren? Das Antlitz der einen, die ich geliebt und verloren hatte! [...] Ein Interim von kleinen Toden, alle schmerzlos, so als seien die Sinne ebenso viele Orgelklappen und als habe eine unsichtbare gütige Hand geistesabwesend den Luftstrom abgedrosselt. Nun liest sie laut bekannte Stellen aus einem Buch vor, das ich schon gelesen haben muss. Sie liegt auf dem Bauch, auf die Ellbogen gestützt, den Kopf in die beiden Handflächen gelegt. Sie zeigt mir das Profil ihres Gesichts, und die weiße Undurchsichtigkeit des Gesichts ist wie mit einer glatten Schicht bedeckt. Die Lippen sind wie zermalmte Geraniumblätter, wie fehlerlos in ihren Scharnieren spielende Blütenblätter, die sich öffnen und schließen. Die Worte sind melodiös verkleidet. Sie kommen aus einem Lautsprecher, der mit einem Baumwollstoff bespannt ist. Als ich erkenne, dass es meine eigenen Worte sind - Worte, die nie zu Papier gebracht, sondern im Kopf geschrieben wurden -, bemerke ich, dass sie nicht mir, sondern einem neben ihr liegenden jungen Mann vorliest. Er liegt auf dem Rücken und blickt mit der Aufmerksamkeit des Anbeters zu ihr auf. Nur diese zwei sind vorhanden, und die Welt existiert für sie nicht. Es ist keine Frage des Raumes, was mich von ihnen trennt, sondern eine weltweite Kluft. Es gibt keine Verbindungsmöglichkeit mehr - sie schweben im Raum aus einem Lotosblatt. Wir sind voneinander abgeschnitten. Verzweifelt versuche ich, eine Botschaft über den leeren Raum hinweg zu senden, sie wenigstens wissen zu lassen, dass die bezaubernden Worte aus dem embryonalen Buch meines Lebens sind. Aber sie ist unerreichbar für mich. Sie liest weiter, und ihre Verzückung nimmt zu. Ich bin verloren und vergessen. [...] Jetzt erinnerte ich mich plötzlich an etwas, was ich vollkommen vergessen hatte. Ich öffnete weit die Augen, wie um über das Stück ferner Vergangenheit hinwegzustarren und freien Durchblick zu finden. Ich sehe den Hinterhof, wie er während des langen Winters war, die schwarzen Äste der Ulmen mit Eis verbrämt, der Boden hart und kahl, der Himmel mit Zink und Laudanum bekleckst, Ich bin der Gefangene in dem Haus unangebrachter Liebe. Ich bin August Angst, der sich einen melancholischen Bart wachsen lässt. Ich bin eine Drohne, deren einzige Funktion es ist, Samenfäden in den Spucknapf der Pein zu schießen. [...] Ich kaue dicke Stücke aus meiner eigenen Melancholie und spucke sie aus wie Kakerlaken. Den ganzen Winter hindurch geht es so weiter - bis zu dem Tag, an dem ich nach Hause komme und sie auf dem Bett in der Blutlache liegen finde. Im Toilettentisch hat der Arzt das Produkt der sieben Monate "Zahnweh" in ein Handtuch eingewickelt dagelassen. Es ist wie ein Hamunkulus, die Haut dunkelrot, und es hat Haare und Nägel. Es ist tot in der Schublade des Toilettentisches - ein aus der Dunkelheit herausgerissenes und in die Dunkelheit zurückgestoßenes Leben. Es hat keinen Namen, noch wurde es jemals geliebt oder betrauert. Es wurde mit den Wurzeln herausgerissen, und wenn es schrie, hörte es niemand. Welches Leben es auch hatte, es wurde im Schlaf gelebt und verloren. Sein Tod war nur ein weiteres, tieferes Eintauchen in diesen Schlaf, aus dem es nie erwachte. ich stehe am Fenster und blicke gedankenlos über den öden Hof auf das Fenster gegenüber. Eine Gestalt huscht undeutlich hin und her. Als ich ihr mit leerem Blick folge, regt sich eine leise Erinnerung, flimmert und zerrinnt. Es bleibt mir überlassen, mich in dem Morast sumpfiger Phantastereien zu wälzen. Ich stehe traurig und aufrecht da wie die Totenstarre selbst. Ich bin der König von Silizium und mein Reich umschließt alles, was trübe und verdorben ist."

Meine Gedanken hierzu:
Ich erinnere mich nicht daran, schon jemals einen Schriftsteller (Buch wäre zu weit hergeholt) gelesen zu haben, dem ich so viel in seiner Präsenz und Aussagekraft abgewinnen konnte wie diesem hier. Dabei spielt es keine Rolle, welchen ich meine. Es spielt nicht einmal für mich eine Rolle, schließlich ist es nur ein Name, den ich suche, wenn ich die Bibliothek betrete und nach seinen Büchern Ausschau halte. Aber es bewirkt schon viel, gewissermaßen sich selbst in einem Text wiederzufinden. Das schafft Zufriedenheit, temporäre, weil man weiß, dass man noch nicht vollkommen verloren ist, dass man zumindest noch die Chance dazu hat, gelegentlich einen guten Text zu lesen. Ich las einmal vor Publikum -da mag ich vielleicht 15 gewesen sein- einen Text vor und man nannte mich "eine Irre", man meinte, "ich hätte sie nicht alle" und dabei hielt ich mich schon damals sehr in dem zurück, was ich eigentlich schreiben hätte können und wollen. Kinski nutzte die Popularität aus, um seinem Zorn auf die Menschen Ausdruck zu verleihen, ohne weggesperrt zu werden, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Bei Kinski traute sich kaum jemand, einzuschreiten, das tat man als "Naja, Kinsiki eben." ab. Man kannte den Mann nicht anders und auch in seinen Rollen nicht. Aber ich spreche hier von einer anderen Generation. Sagte es heute bereits zu meiner Mutter und sie bestätigte es mir:" Wir Kinder damals spielten ganz anders, wir waren viel kreativer und intelligenter und forscher und frecher. Die Kinder heutzutage sind so dermaßen langweilig, geradezu unwürdig zu betrachten." Damit meine ich, dass Kinski unter meinesgleichen noch nicht einmal in Vergessenheit geraten musste. Man kennt ihn nicht. Also ist es für meine Generation nicht einmal etwas Bekanntes, wenn man derartig "auf den Tisch haut", wenn man "Argwohn impulsiv rauslässt", wenn man sich " ordentlich verzettelt und nur noch darüber lacht", wenn man "lacht, ohne zu wissen warum man lacht". Damit will ich jetzt nicht einmal auf Kinski anspielen, weil Kinski ein ganz anderer Mensch war. Ich wollte nur sagen, dass man sich hüten sollte, seinem Trieb, wie ich es nennen möchte, denn schließlich ist alles Trieb, vor einer bestimmten Personengruppe freien Lauf zu lassen. Damit meine ich nicht Sex, deshalb schrieb ich auch, Trieb wäre alles. Ich meine damit, jemandem eine Falle zu stellen, jemanden zu beschimpfen und sich im Grunde genommen nichts dabei zu denken, einfach nur das tun zu können, wozu man Lust hat, außer Mord und den harten Sachen, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. Moral ist eine Beigabe zur Wahrheit, hieß es. Moral ist für mich etwas anderes, aber mitnichten das Bloßstellen einer Person, die sich vielleicht im Moment anders, aber alles in allem recht ordentlich verhält. Was wurde ich oft kompromittiert, was wurde ich oft bloßgestellt, meine ich. Man stellte mich an alle Pranger dieser Stadt, man versuchte, die Wahrheit, die allumfassende, aus mir herauszuquetschen, man wollte, dass ich um Vergebung bat, wenn nötig auf Knien. Wenn ich nichts dergleichen tat, zog man mich zur Rechenschaft, man bestrafte mich und bezichtigte mich eines folgenschweren Vergehens.
Dabei war ich einfach nur anders. Ich war anders. Ein schönes Wort, wäre das, hätte es nicht diesen fahlen Beigeschmack. Anders war ich, aber nicht bösartig. Gerne hätte ich den Leuten gesagt: "Ich hätte euch schon nicht umgebracht, kommt mal wieder runter."
Aber zu spät, zu spät für Reue und dergleichen. Aber noch lange, also nie, zu spät für Demütigung.

Alle anderen "abgeknickten Seiten" muss ich nun vorangetrieben durch fundamentale Müdigkeit zunächst beiseite schieben.
Ich pflege, den üblichen Phantomvorstellungen nachzuhängen, hochgradig hypochondrisch zu sein, die Gegenwart der Zigeuner zu spüren (es ist Frühlingsfest). Ich warte immer noch auf die entscheidende Eingebung, auf Modifikation seitens der Jünger. Der Wert ginge dann nicht gegen Null, er stiege.

Vielmehr bin ich deprimiert über mich selbst, sehr sogar. Ich möchte in den eigenen Tränen baden, kann aber nicht, weil ich keinen Zugang zur mir finde, weil ich nur diese Gedanken besitze und dem Impuls sie niederzuschreiben folge. Mehr kann ich nicht tun. Fühle mich nicht vital, nicht lebendig, werde demnächst (irgendwann ohnehin) untergehen und nie wieder auftauchen. Werde den Schmerzen folgen und es meinem Körper gleichtun.

Irgendwann schreibe ich weiter, vielleicht.

17.3.10 10:21

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