Fishing for compliments works different!

Ich will über A. sprechen, ohne dass er davon mitbekommt. Auch seltsam, weil ich nicht mehr trinke und ich damals kein vernünftiges Gespräch, ja, geschweige denn mit mir selbst, führen hätte können, ohne zuvor alkoholische Getränke zu mir genommen zu haben.

Will gar nicht weit ausholen, um über A. zu sprechen, will nur anmerken, dass er einer von denjenigen ist, die ich gerne durchschaue und nicht einer von denjenigen, die man zwar leicht zu durchschauen vermag, denen man aber gleichermaßen nichts Gutes abgewinnen kann. Hier mag von Menschen die Rede sein, die augenscheinlich großartige Taten vollbrachten, die sich von der Norm abzusetzen wussten und nun an der oberen Grenze zur Glückseligkeit verweilen dürfen. A. hingegen gehört eben zu der Sorte von Menschen, die, unabhängig davon, was sie zur Sprache bringen, immerzu diese Demut preisgeben, ohne dass das offensichtlich geschieht. Der erste Blick besagt etwas anderes. Wenn jemand so viel Zeit findet, um sich mehrmals um die eigene Achse in Sachen Literatur zu drehen, um zu jeder Stunde die Zeit für literarische Tiraden zu finden. Nicht mal ich kann das, obgleich ich hier sitze und ebendas tun könnte. Aber ich habe genug andere Dinge zu tun, von denen man als Außenstehender nur allzu selten mitbekommt. Ja, ich könnte fast sagen, dass es mich beinahe entsetzen würde, würde mich jemand einmal nicht unterschätzen. Die Unwissenden, die ihren Jobs und Frauen oder Männern, gar Kindern, und all dem genormten Kram nachgehen, wollen nichts außerhalb ihres Vorstellungsvermögens wahrnehmen. Für diejenigen ist alles Gold was glänzt, meine ich. Nichts wäre Gold, was nicht glänzt, meine ich. Würde ich ernsthaft darüber nachdenken wollen, würde mich das in einem Maße betrüben, wodurch alles andere derzeit Existente ausgelöscht werden könnte, ja, so maßlos würde mich diese gegenwärtige Resignation in den Gesichtern der Menschen trostlos ergötzen. 

Ein Umbruch findet in der Regel immer dann statt, wenn etwas Ebenbürtiges geschieht, ohne dass man dabei sebst die Fäden in der Hand hat; oder vielleicht auch schon, aber das ist etwas, das man nicht wahrhaben darf, weil es sich sonst tief in die Stille graben würde. Was überragt die eigene Stille; ist es denn das Ersaufen in den eigenen Tränen; oder was

Nein, ist es nicht, aber vielleicht wird es mal soweit kommen. 

Ich will hier nur ungern verschwinden, ehe ich es nicht auf den Punkt gebracht habe, also: A. ist jemand, dem ich nicht glauben kann, weil er keine Ahnung hat, obschon ich mir im Grunde fast sicher bin, dass er Ahnung haben müsste. Seine Texte zeugen allerdings von einer breiten Ignoranz, von Reue und Demut keine Spur, von der persönlichen Aversion keine Spur. A. schreibt, als würde er sich in der Wirklichkeit nur über seine eigene Geschichte erzürnen und nicht über derartige Autoren, die laut seiner eigenen Aussage nicht über eine Weitsichtigkeit verfügen und nicht über die pubertäre Naivität und Grundhaltung hinauskämen. Er meint, sich durch seine Worte von ebendiesen Leuten abgrenzen zu können. Ich meine, dies gelänge nur partiell, würde er mehr von sich fordern als die dargebotene Negativhaltung gegenüber den anderen Autoren, worauf er in seinen Texten hinweisen möchte.

Immer dann, wenn ich lese, dass sich jemand über die Worte eines anderen auslassen möchte, werde ich misstrauisch. Meistens ist es so, dass man nur nach einem Weg sucht, sich nicht über seine eigenen Worte auslassen zu müssen, sich selbst ins Kreuzverhör nehmen zu müssen, weil man doch weiß, dass das für die eigene Weitsichtigkeit von Nutzen sein könnte.

Ich will mal von dem Geschwafel (Es wurde, was es nun ist.) wegkommen und sagen, dass ich auch für mich selbst eine andere Welt als die jetzige anstrebe. A. hat mal gesagt, er wollte gerne mehr ausdrücken können, alles sagen können, ohne dass es irrtümlich und immer gleich so übervoll klingt. Ich bin der Meinung, dass es nicht so viele Menschen gibt, die eben darauf ihr Augenmerk legen. Man könnte ruhig tun, was man möchte, ohne dass man sich in einer Tour diese ausschweifenden Gedanken darüber machen müsste. Das grenzt nicht nur an Selbstdeformierung, das ist Selbstzdeformierung. Wenn man sich nur mehr durch die Selbstreflexion und das Aufwerten der eigenen Worte auf der sicheren Seite wissen kann, dann ist man bald soweit, wie ich es heute bin. Ich bin nicht einmal mehr auf der sicheren Seite. Worte reichen mir schon lange nicht mehr für einen gesunden Schlaf. Ich brauche Szenen und nicht nur Klötze, sondern Türme und ganze Hügellandschaften. Und selbst dann ist es mit der eigenen Ruhe noch weit hergeholt. Gerne wollte ich für mich einen Weg finden, der mich nicht wieder auf geradem Wege in den Ruin treiben ließe. Einen Weg bräuchte ich, auf den ich mich verlassen könnte. Leben müsste man können, richtig leben, ohne die Aversion, die man gegen sich selbst richtet. Was gäbe ich doch dafür, diesen Gedanken nie gehabt zu haben. Zu Therapeuten, Müttern, Lehrern und anderen Dahergelaufenen sagte ich schon des Öfteren, dass es nur der anfängliche Gedanke eines jeden Übels ist, der das Übel erst entfachte. Es müsste irgendeine Schranke, eine Sperre, geben, die unnütze und destruktive Gedanken aussiebt. Denn, wozu sind die denn gut? Ich verblasse mit jedem Tag etwas mehr. Heute kann ich sagen, dass ich mich noch nie so abgeschieden fühlte wie zum jetzigen Zeitpunkt und demnach auch nie wieder so fühlen werde, aber schlechter. 

Oft frage ich mich, was das für Leute sind, die Hesse (Habe bereits kundgetan, dass ich Hesse nicht mag.), Dostojewski, Rilke und dergleichen lesen. Wissen diese Menschen auch um die Ausweglosigkeit dieser Zeilen? Gut, von Rilke und Hesse dürfte ich eigentlich gar nicht sprechen, davon habe ich mich schon lange verabschiedet (Nie bin ich überhaupt angekommen.). Aber Dostojewski zum Beispiel. Ich erinnere mich an die Diskussion zwischen dem jungen Alex Böhm und dem Wirt aus dem Kellerloch (Paradiso) über Schuld und Sühne. Letztlich frage ich mich nur, welcher Leser etwas mit der Ideologie anfangen kann? Und wer hat American Psycho verstanden und wer weiß, dass dieser neue Kinofilm mit dem runzeligen Säugling in Wirklichkeit einen Märchencharakter hat und nicht auf wahren Begebenheiten basiert? Nun könnte ich mir ein naheliegendes Beispiel herausgreifen und sagen, dass Katarina (eine Bekannte von mir) das mit Sicherheit nicht weiß.

Zur Person Katarina: Katarina verfügt über eine schulische Intelligenz sowie eine Zieltstrebigkeit, die dem Abitur entsprechen könnte, obschon sie nach diesem Jahr lediglich die 12. Klasse beendet haben wird. Davon abgesehen verfügt sie über keine nützlichen Attribute, die sich außerhalb der schulischen Institution eingliedern ließen. Sie weiß, was sie aufsaugt wie ein Schwamm; doch sie liest nicht, sie reflektiert nicht, sie ist frei von den gegenwärtigen Problemen der außergewöhnlichen Menschen, wie Raskolnikow sagen würde. Kurzum: Katarina ist ein Mensch, mit dem ich keinesfalls meine eigenen vier Wände teilen würde. Das wurde mir während des gemeinsamen Urlaubs bewusst, obgleich ich auch schon vorher davon überzeugt war, dass das zu Problemen en masse führen würde. Katarina blickt nicht über ihren eigenen engstirnigen, wohl weiblichen, Tellerrand hinaus und ist demnach eine Person, die irgendwann einmal auf ganzer Linie scheitern wird, ohne dies als augenscheinliche Niederlage anzunehmen, da sie nicht über derartige Ressourcen verfügt, um überhaupt jemals dazu in der Lage zu sein, etwas als nicht gottgegeben anzunehmen. Damit meine ich, dass das Mädchen später mal hochverschuldet in einer Einzimmerwohnung wohnen wird, dennoch über die neuesten technischen Geräte verfügen wird und zu meinen glaubt, sie könnte irgendwo als Chemikerin Karriere machen, obgleich sie von dieser Materie nicht die leiseste Ahnung hat. Das finde ich übrigens mitnichten traurig oder dergleichen und nämlich im Gegenteil: Wenn ich daran denke, bekomme ich Lust dazu, einen Fisch auszunehmen oder jagen zu gehen. Klingt seltsam, ich weiß, entspricht aber durchaus meinen Trieben. 

Abschließend möchte ich noch hinzufügen, dass mein Ziel immer nur das eine sein wird oder um genau zu sein ist es ein Ziel, das bei Nicht-Gelingen ein anderes Ziel fordert: Ich strebe die Ruhe an. Irgendwann möchte ich über alle Zeit der Welt verfügen, viel Geld besitzen und nur noch das tun dürfen, wozu ich Lust habe. Sollte dies jedoch nicht gelingen, möchte ich nicht mehr am Leben teilhaben, weil ich -und das sage ich übrigens nie spaßeshalber- Arbeit und Menschen mehr verabscheue als irgendjemandes Messer in meiner Brust. Das würde ich sogar beschwören, mit irgendjemandes Messer in meiner Brust. Ja, das ist mir wichtig, obgleich ich weiß, dass niemand je Verständnis für diese Worte, also für mich, aufbringen wird und dass alles immer so weitergehen wird wie bisher. Nichts wird also je einer Veränderung unterliegen und meinen Hass werde ich fortwährend auf die Ungerechtigkeit projizieren: also auf euch, Milady and the likes

1 Kommentar 17.3.10 09:53, kommentieren

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It's not just lonely at the top!

Sah einen Beitrag zum Thema "Was ist grundlegender: die Inter- oder doch nur die Subjektivität". Werde nun die drei Kernsätze aus dem Kontext herausgreifen, so wie ich sie in Erinnerung behalten habe. Geht mich übrigens auch etwas an, da ich zu der Art von Menschen gehöre, die dazu beitragen, die Philosophen auflaufen zu lassen. Philosophen sind nämlich oftmals anderer Meinung, schließlich sind sie keine Wissenschaftler.

Zunächst wurde die These aufgestellt, dass die Subjektivität, also das Verhältnis zu sich selbst, grundlegender wäre als die Intersubjektivität, also das Verhältnis zu anderen Personen. Es ist aber so, dass einsame Menschen das Bewusstsein ihrer selbst verlieren, weil sie sich nicht erklären müssen.

Hierzu folgt eine Erläuterung: Menschen, die keinen Kontakt zu anderen Personen haben, kommen nie in die Lage, irgendetwas an ihrem Verhalten erklären zu müssen, weil sie sich nicht in der Interaktion befinden. Keine Kommunikation und Interaktion heißt gleichermaßen keine Erklärungsnot. In der Psychologie heißt es, man könne nicht nicht kommunizieren. Das ist aber nur dann so, wenn man anderen Menschen gegenübersteht, wenn man irgendeinen Austausch betreibt. Menschen, die anderen Personen nie gegenüberstehen, betreiben auch keinen Austausch, versenden keine Information, ob verbal oder nonverbal.

Diese Erfahrung oder Tatsache lässt die Schlussfolgerung zu, dass in Wirklichkeit die Intersubjektivität das Grundlegende ist und nicht die Subjektivität. Das Verhältnis zu anderen ist grundlegender als das Verhältnis zur eigenen Person. Nur durch das Verhältnis, also die Kommunikation und also Interaktion, zu anderen kann ein vernünftiges Verhältnis zu sich selbst hergestellt werden. Niemand, der den Umgang mit anderen Personen nicht als vertraut empfindet, kann sich selbst verstehen und ergründen. Irgendwann verliert man durch die nicht existente Erklärungsnot den Bezug zur eigenen Person. Das wäre fatal, sagt die Wissenschaft.

Hier will ich einen Cut.

Ich hatte eine Erkenntnis und zwar diese hier: Normalerweise dürfte ich keiner Tätigkeit nachgehen, die meinen Konsum einschränkt. Gerne wollte ich mir nach Belieben Filme ansehen, Musik hören und Bücher lesen, was ich aber nicht kann, zumindest nicht nach Belieben, wenn ich einer Arbeit nachgehe. Dieser Gedanke lässt mich zermürbt zurück in meiner Trümmerlandschaft und mit meinem passiven Wortschatz.

Gerne würde ich mir Slumdog Millionär und Gran Torino ansehen, aber das kann ich nicht, ja, gar aus mehreren Gründen. Gerne würde ich mal ein gutes Buch lesen oder irgendetwas Produktives tun, aber das kann ich nicht, ja, gar aus mehreren Gründen.

Ich schätze, ich war zu lange einsam, als dass ich mich noch in die Schichten der Gesellschaft eingliedern könnte.

märz09

1 Kommentar 17.3.10 09:49, kommentieren

Pengdot, hallo my friend, oh, and good bye! [last edit 2.4.]

Mein Zug nach München Hbf verlässt den Bahnhof um 11.14 Uhr. Habe immer so viel Panik in letzter Zeit und heute ist der Tag, an dem ich, wie angekündigt, etwas an meinem Leben ändern möchte. Nun fahre ich also nach München und von dort aus geht es weiter.

Glaube kaum, dass sich irgendjemand von euch (So viele seid ihr ja ohnehin nicht.) vorstellen kann, wie sich das anfühlt, ständig Angst haben zu müssen. Die letzten Tage oder Wochen hatte ich so eine verdammte Angst, sodass ich nun weiß, dass sie nicht unbegründet war, die Angst. Versteht man das?

Jedenfalls, meine Mutter schläft, ich habe mir einen Koffer gepackt, eigentlich eine Reisetasche (Ich Schwindler.), und werde mich nun in Richtung Bahnhof begeben. Frage mich ohnehin, warum ich das nicht schon früher gemacht habe. Okay, ich habe es ja schon ein paar Mal gemacht, also, mich in einen Zug gesetzt und dann ab nach München (Oder Richtung Hof, Plauen, Leipzig, Berlin oder Richtung...) und all das, aber ich bin immer wieder zurückgekommen. Dieses Mal? Mal sehen. Ich weiß nur, dass ich mal ein paar Tage (eigentlich Jahre, Jahrzehnte, man) woanders sein muss, sonst ersticke ich hier. Ernsthaft. Das kann sich sicherlich niemand vorstellen. Ja, wie denn auch. Dumme Situation.

Dann wohl bis irgendwann, bis heute Abend, bis in drei Tagen, bis in achtundvierzig Jahren, bis in Tausend und eine Nacht, bis dann.

Und lest vernünftige Bücher, Danke.

Edit: Munich Airport, no!, but train station. Also, ich bin jetzt in München (Kaum zu glauben "hard to believe" München, München, München.), und überlege fieberhaft (Ja, einem Fieber kommt das ganze schon sehr nahe), wen ich kontaktieren könnte. Ich kenne niemanden mehr in München, der mich nicht entweder rausschmeißen oder gar nicht erst reinlassen würde. Ahaha...ha. Aber dennoch, ich könnte mal bei Bruno Jonas klopfen, der dann allenfalls zurückklopfen würde.

Gerade checke ich meine Mails. Ein paar Bestätigungen von myblog.de, dass mir jemand Kommentare hinterlassen hat (einer davon bin ich selbst) und dann noch Mails auf studi-vz.de. Nina hat mir geschrieben und einen auf übertrieben "Ich check zwar nix, aber hauptsache ich bin so ne coole Studentensau. Andy Warhol kenn ich zwar eigentlich erst seit gestern, aber weil der so cool is wie ich, geh ich da einfach mal zu ner Ausstellung" (Andy Warhol ist übrigens not alive, Schätzchen.) gemacht. Aber es endet, wie es begonnen hat, im heimischen Nest, weil man entweder das Studium abbricht und ins Dorf zurückkehrt oder ein anderes sinnfreies Studium beginnt, von dem man glaubt, man könnte was COOLES damit anfangen und: all das.

Dann hat mir noch Thomas Klupp geschrieben (Mein Herz klopft, während ich die Mail öffne. "Was schreibt er, schreibt er, schreibt er MIR!?). Ah. er schreibt, dass er sich freut, mhm, und dass ich, wenn ich will, mal, mhm, okay. Das macht mich gerade endlos, aber endlich, glücklich, sag ich euch oder mir. Nein, vergessen wir das.

Sonst bekomme ich eher selten Mails (Naja, täglich schon, aber nicht mehr in diesem Ausmaß "Alle paar minutos." wie früher, als ich regelrecht bombardiert wurde "Sie haben Post; jemand (Goldie, Vanessa, Maga, Jenny, Annikki, There, Daniel...) hat Ihnen einen Kommentar hinterlassen, Chuchu hat Ihnen auf lesarion.de eine private Nachricht hinterlassen, Nize hat sie zur Freundesliste auf lesarion.de hinzugefügt, Freshkiss hat ihnen einen Gb-Eintrag auf lesarion.de hinterlassen, Gammelig hat Ihnen einen Gb-Eintrag auf haefft.de hinterlassen, yammyamm hat Ihnen einen Gb-Eintrag auf haefft.de hinterlassen, Eva K. F. hat in Ihrem Forum auf einen Beitrag geantwortet, C. hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, L. hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Lara hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, F. hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, S. hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, A. P. hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Perpeduum Mobile hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Maaark hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Lost In Words hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Ihre Lehrer Herr K., Herr, U, Herr I., Herr R. haben Ihnen eine Nachricht hinterlassen Theresa hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Johannes B. hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Nina hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Martin hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Ihre Lehrerin, Frau M., hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Kristina B. hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Elisabeth K. hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Johannes W. hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Susanne W. hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Manasse hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Kilian, Gregor, Andreas, David, Attila, Christoph, Leopold, Géraud, Thomas hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Felix, Curtis, Brent, Ethan, Shamika, Hopes hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, irgendwelche Verwandte aus Österreich, deren Adresse Sie vergessen haben, weil Sie Ihre eigene Adresse vergessen haben, haben Ihnen eine Nachricht hinterlassen, Ihr Berufsberater hat Ihnen eine Nachricht hinterlassen, irgendwelche Menschen, die Filme mit Ihnen drehen wollen, haben eine Nachricht für Sie hinterlassen; und dass ihr mir zahlreich geschrieben habt, wisst ihr ja bereits

Also, was soll man da noch denken, hm? Heute piept mein Handy so gut wie gar nicht mehr (Ja, tatsächlich, wenn, dann ist es Katarina, die frägt "Hey, wie geht's, wie läuft's in der Fahrschule, hast du jetzt mal Zeit, dass wir den Gutschein zum Pizzaessen einlösen?". Aber sonst ruft mich kaum jemand an. Daran bin natürlich ich selbst Schuld (Also indeed.), weil ich sämtliche Nummern und Email-Adressen gesperrt und sämtliche Anrufe und Mails ignoriert? habe, genau.

Das macht mir derzeit gar nichts aus, weil ich ja bekanntlich ein bestimmtes Leben anstrebe. Und in diesem Leben habe ich richtige Freunde und Bekannte und nicht solche, die mich mal können. Okay, vielleicht können die mich dann auch (Also nicht buchstäblich, man!), aber ich werde sanfter zu ihnen sein und nicht so hundsgemein, wie ich es normalerweise bin, wenn ich jemanden auf den Tod nicht ausstehen kann.

Wenn ich dann in Malibu oder Sherman Oaks wohne, lade ich euch mal zu mir ein und sage: "Seht ihr, wie ich gesagt habe: Ich bin schweinereich und erfolgreich, habe tolle Freunde und ein Boot vor dem Haus. Für reichlich Alkohol sei auch gesorgt." Und ihr werdet sagen: "Oh cool, kann ich bei dir einziehen, kann ich nen Drink, kann ich in den Pool, kann ich auf dem Pony reiten, kann ich den Butler rumkommandieren, kannst du mir Schach beibringen, krieg ich nen Schwung Autogramme für meine Freunde Zuhaus, kann ich..."

Und ich werde antworten: "Ja, aber siiicher kannst und kriegst und darfst du, wenn du nur endlich die Klappe hältst, mein Freund!"

So oder so ähnlich. Piep, piep, piep, hab derzeit niemanden lieb, aber mein Geld ist futsch; und tschü---

 

Edit am 2.4. um 23 Punkt Punkt Uhr: Erstaunlicherweise begegnete ich, nachdem ich vom Bahnhof aus mit dem Bus zum W-dener Busbahnhof fuhr, Robert, der in diesem Moment mit seinem Rad aus einem anderen Bus ausstieg. Ich meine übrigens einen anderen Robert (in diesem Jahr wird er 31) und nicht den Besitzer der Bar.

Ich lernte ihn damals am gleichen Tag kennen, an dem ich dieser abscheulichen Sache von der ebenso abscheulichen Person bezichtigt wurde, für die ich mich gar nicht zu verantworten hatte, aber eben diese Person. Genau genommen hat mich natürlich nicht der Übeltäter angeklagt, aber darum geht es hier nicht.

Ich stand also quasi vollkommen leergefegt am Bahnhof in Regensburg, war also schrecklich aufgelöst und sah dementsprechend aus, da sprach mich plötzlich Robert an, ob ich nicht nebst drei anderen mit seinem Ticket mitfahren wollte, was ich immer noch schrecklich aufgelöst (Für Leute, die mich nicht kennen, ist diese Dimension des "schrecklichen Aufgelöstseins" kaum visualisierbar und dergleichen) bejahte. Später sagte er mir dann, dass es bei ihm Liebe auf den ersten Blick war und dass er in der Zeit, als wir uns nicht sahen, Songs über oder für mich geschrieben hatte.

Also saß ich vollkommen verheult und furchtbar apathisch (viele Dinge gingen in ebendiesem Moment mit dem Adjektiv furchtbar einher) weil ich absolut am Ende zu sein schien, wie es mir vorkam, im Zug und starrte vor mich hin.

Ich trug einen langen blauen Mantel, schwarze Stiefel, eine dunkelblaue Jeans, offene Haare (warum zum Teufel..?) und irgendwann nach Regenstauf (oder so) sezte sich Robert neben mich und wollte ein Gespräch in Gang bringen, worauf ich zunächst etwas gereizt reagierte, schließlich hatte ich gerade ein Stück Leben verloren - und nämlich meine Würde. Zudem ist das auch der letztgültige Grund für meine derzeitige Ablehnung bei der Polizei (fast geweint (das sagt man so, man) hätte der Einstellungsberater bei der Polizei, als ich ihm von dieser Geschichte erzählte und er mich somit vom Bewerbungsverfahren ausschließen musste). Aber auch das ist eine andere Geschichte; zumindest passt sie nicht in diesen Kontext.

Wir sprachen über den Tod, ich log, weil ich es so wollte, er gab mir seine Nr. (dafür musste einer der Mitfahrer extra seinen Code eingeben, um den Koffer aufzubekommen, weil sonst keiner einen Kugelschreiber zur Verfügung hatte) und fragte mich, ob ich mit ins Juz kommen wollte, wo irgendeine Band gespielt hat. Ich sagte, dass ich nicht wollte (ha), dass ich mich aber mal bei ihm melden wollte, was ich aber demungeachtet nicht tat.

Einmal fuhr er an Katarina und mir mit einem Freund vorbei, als wir gerade unsere Tickets nach Mu vorbestellen wollten. Dann traf ich ihn vor der Bib wieder. Eigentlich wollte ich gar kein Gespräch anfangen, hatte die Türklinke mal wieder in der Hand, sprach aber dennoch ein paar Worte mit ihm. Als ich dann in der Bib war, dachte ich mir, dass ich ihn irgendwie mochte und dass lediglich mein Verstand (und all diese Dinge) nicht wollte, dass ich mich mit ihm unterhielt, mich also in irgendeiner Weise auf ihn einließ. Also beschloss ich mich dazu, ihm eine SMS zu schreiben. Suchte nach der Nummer, die ich auch fand. Er schrieb mir zurück und wir trafen uns.

Ja, und gestern traf ich ihn erneut. Solche Momente machen mir immer wieder klar, wie schnell ich eigentlich eine Beziehung führen könnte, wenn ich nur wollte. Dazu habe ich aber keine Lust. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass man mich nur schwer oder gar nicht beeindrucken kann. Beeindrucken kann man mich nämlich nur dann, wenn man mir seine ganze Aufmerksamkeit widment, also wenn man wirklich was dafür tut, um in meiner Gegenwart zu sein. Ich will erstklassiges Benehmen, volle Aufmerksamkeit. Und allgemein fordere ich (natürlich auch von mir, aber ich bringe das ohnehin mit), dass man den Versuch unterlässt, irgendetwas an der anderen Person verändern zu wollen. Ich erwähnte es bereits. Ohne diese (nenn es) Regel existiert für mich ohnehin keine Beziehung. Wer den Versuch startet, etwas an einer Person verändern zu wollen, hat jedwede Art von Beziehung verkannt, versteht also nicht, worum es in einer Beziehung geht. Ich mag viele Dinge nicht, wenn es um Beziehungen geht. Ich will mich frei fühlen können, ich will nicht zwangsläufig berührt werden und natürlich muss ich der KING (gegebenenfalls auch die QUEEN) sein. Ständig meinten Leute zu mir, ich wäre "die absolute Prinzessin". Das heißt, dass ich mir nichts verbiete und schon gleich nicht das Wort. Ich will wie gesagt sagen und machen können, was ich will, ohne meine Pflicht zu verletzen, die beispielsweise darin besteht, Rücksicht auf seinen Partner zu nehmen, ihn also nicht zu verletzen und dergleichen. Aber davon abgesehen möchte ich frei sein.

Und da-von abgesehen möchte ich eigentlich gar keine Beziehung, obgleich meine Vernunft etwas anderes sagt (und manchmal vielleicht auch mein Herz), weil ich nicht allein sein möchte und schon gleich nicht im Alter. Ich möchte schon irgendwie mein Leben mit einer anderen Person teilen, schätze ich. Aber ich stelle mir das ganz anders vor als in den üblichen Fällen.

Natürlich fordere ich Treue, Vertrauen, Ehrlichkeit und all jene Dinge, ohne die eine herkömmliche Beziehung auch in meinem Sinne nicht funktionieren würde. Aber ich will wie gesagt meine Freiheit, mich also auch frei fühlen dürfen. Man könnte in einem Haus wohnen (irgendwo an einem See, vielleicht auch am Meer) und man könnte zwei Etagen separiert betrachten. Ich könnte es ehrlich gesagt nicht so recht ertragen, würde meine Ruhe gestört werden, müsste ich mich ständig zu bestimmen Dingen verpflichtet fühlen.

Aber womöglich bleibe ich meinem anfänglichen sowie primären Grundsatz treu: "Wenn ich nicht asexuell bin, bin ich wenigstens furchtbar beziehungsgestört und womöglich nicht einmal dazu in der Lage, eine Beziehung zu führen."

 

Und mein PC ist verflucht nochmal der am meisten gestörte auf der ganzen Welt. Immer diese Doppel-punkte?

Heute hat mir jemand eine Kiste voller Bücher geschenkt, mir einfach so in die Hände gedrückt "Hier nimm und frag bloß nicht, man..", worauf ich die Kiste entgegennahm und sie teils auf meinem Kopf und teils vor meiner Brust nach Hause trug.

Bald folgt mehr. (März 09)

2 Kommentare 17.3.10 09:44, kommentieren

I'm afraid of my COMPUTERMOUSE, I do swear to everyman and everywoman!

Liebe Leser,

heute lag ich schon mehrere Stunden in der Sonne und kann mich nun über frische Sommersprossen und eine leichte Bräune freuen, die meinen ohnehin schon trostlos schönen blauen Augen einen ganz neuen und für mich zu dieser Stunde unerwarteten Ausdruck verleiht.

Übrigens halte ich es für ein echtes Privileg, blauäuig zu sein. Alles andere ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Bekäme ich Kinder, wären die in jedem Fall blauäugig. Zudem hießen sie Felicitas und Sascha/Marius/Lennart/Leander oder weiß der Teufel wie.

Kinder zu haben halte ich übrigens für eine echte Bereicherung. Als Mann würde ich nicht lange darüber nachdenken. Als Frau, wie ich es bin, ist es eben mehr als eine mühsame Anstrengung wert, ein Kind auf die Welt zu setzen. Aber ich würde es versuchen.

Gestern vergaß ich ganz, euch zu sagen, dass ich es in der Zukunft gerne unterbunden haben wollte, über meine Vergangenheit zu sprechen. Keiner weiß was über meine Vergangenheit, also nicht wirklich viel, meine ich. Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich nicht gerne, gar tut es weh. Und damit meine ich nicht das Martyrium mit meinem Vater und Konsorten, sondern vielmehr meine eigene Jugend, die ich größtenteils verschwendete. Ich will nicht wissen -und das meine ich- wer mich schon alles in den unmöglichsten Momenten ausfindig machen konnte. Ja, das will ich wirklich nicht wissen. Diese Stadt kennt mich. Wer kennt mich nicht. Nein, diese Stadt kennt mich natürlich nicht, aber sie hat mich schon längst gesehen, in den, wie ich bereits anmerkte, unmöglichsten Momenten. Ich will nicht wissen, wer Kameras hat, wo ich sie nicht sehen kann. Ja, ich will das alles gar nicht wissen.

Letzte Nacht träumte ich. Der Traum sollte mir im Nachhinein zu verstehen geben, dass man sich nicht mal auf die Queen, nicht mal auf die Mutter, nicht mal auf die Brüder und Schwestern, nicht mal auf die Zofen und Narren, also auf niemanden verlassen kann. Im Ernstfall ist es so, dass deine eigene Mutter dich dorthin bringt, wo man dich anfänglich ausgegraben hat. Irgendwo im Erdenloch, möchte man meinen. Ja, fühlte es sich gar so an, als wäre es genau das. Ja, aber wirklich.

Irgendwo sind Kameras. Wir alle kennen Big Brother. Sofern ich mich richtig erinnere, lauten die ersten Wort aus 1984 "Big Brother is watching you, the captain beneath it ran". Finde ich auch, Big Brother is watching you. Irgendwo sind also Kameras, die dich einfangen und du siehst sie nicht. Wer hat diese Kameras angebracht? Deine Mutter? Ja, vielleicht, warum nicht.

Damit will ich auch nur sagen, dass es mich mittlerweile sehr müde macht, althergebrachte Dinge anzusprechen.

Und ihr seid auch keine Partisanen. Ihr seid nicht mal da, sondern allerhöchstens an einem Prozess beteiligt. Wäre ich nicht scheißedämlich, würde ich mich bezüglich der Sippschaft, auf irgendwas verlassen, das mich dann später zum Heulen bringen könnte? Klar, scheißedämlich.

Die Sonne scheint. Nein, sie brennt. Vielleicht läuft sie auch vor irgendwas weg. Manchmal denke ich mir "Wenn der nur wüsste, was ich denke und tue, dann würde er sein Handtuch mit Sicherheit nicht neben meiner Luftmatratze ausbreiten." Und ob das stimmt. Nein, ernsthaft. Und ob das stimmt. Ich könnte kotzen, tue es aber nicht, wenn mir irgendjemand irgendwas erzählt. Und ob dieser Satz zu Ende ist.

Alles, was man zu hören bekommt, ist ekelhaft, wie eine Schale Kornflakes mit Milch, die zu lange von der Sonne beschienen wurde - Jahre oder so. Ich höre auch gar nicht mehr hin, deshalb kann ich auch keinen Beruf ergreifen. Sollte ich es bis Oktober in diesem Haus hier aushalten, werde ich spätestens nach zwei Stunden Unterricht aus dem Fenster springen -unabhängig davon, welcher Stock. Das schwöre ich. Ich werde das Fenster aufreißen und schreien "Ich will hier nicht sein, weil ich nur meine Ruhe möchte und irgendwas tun will -und wenn es nur was mit der Decke und den Augen zu tun hat- ohne mich von euch belästigen lassen zu müssen."

Gar ist es so, dass nicht mal meine Konzentration mitspielen würde, bei einer herkömmlichen Arbeit. Das, wozu ich fähig bin, ist viel, aber wenig, wenn irgendjemand zugegen ist. Versteht man. Ich will einfach nur meine Ruhe haben, will niemanden neben mir, der versucht, mir was beizubringen, was mich ja doch nicht interessiert. Ich interessiere mich nämlich nur für mich selbst, wusstest du das, Herr Lehrer Arschloch - oder wie auch immer du heißen magst. Ich interessiere mich für meine Haare, zum Beispiel für die, welche ich auf dem Kopf trage; ich interessiere mich für den Becher Jogurt in meiner Hand; ich interessiere mich für meine Finger, wenn sie, wie jetzt, über irgendeine Tastatur gleiten; ich interessiere mich für meine Gehässigkeiten, die ich vollkommen willkürrlich in der Weltgeschichte verteile;

Ich interessiere mich aber für nichts, außerhalb meiner eigenen Weitreiche (haha, hab ich ernsthaft geschrieben, dabei meinte ich natürlich Reichweite). Und das ist der Abstand, den meine ausgebreiteten Extremitäten erfühlen können. Schon klar, man, wem sagst du das, ich würde davon auch Null Komma Null verstehen, wäre ich du, also Herr Lehrer Arschloch - oder wie auch immer du heißen magst. Du gehst unter der Woche in die Arbeit, am Wochende betrinkst du dich mit meinem Stiefvater im Kir Royal und meistens denkst du, du wärst schlau. Mir würdest du wohl nicht glauben, würde ich dir sagen, dass ich dich nicht für schlau, sondern für einen der dümmsten Menschen halte, die mir bislang vor die Netzhaut gegangen sind. Du würdest mich eher als bekloppt beschimpfen, ehe du von deiner festgefahrenen Selbstreflexion abkommen würdest.

Scheiße, ich könnte kotzen. Gestern habe ich gekotzt, in irgendeine Kloschüssel. In einer Bar. Ich sage nun aber nicht, in welcher Bar. Mir war plötzlich so schlecht, als ich an meine Erfahrungen in dieser Stadt, an meine Fickgeschichten (auch in dieser Stadt), an meine Entgleisungen, an meine Saufgeschichten, an meine irren Anfälle und an all jene Scheiße denken musste, dass ich gar nicht mehr anders konnte, als mich auf der Stelle zu entleeren. Irgendwie entleeren, dachte ich mir, irgendwie von dem Gedanken abkommen, sich in eine Schiene pressen zu müssen, nur um nicht auf der Straße zu landen. Auf der Straße will ich nämlich nicht landen. Aber nicht deshalb, weil es mir was ausmachen würde, ein Penner zu sein, sondern aus Reinlichkeitsgründen. Schließlich muss ich mich von all dem Dreck säubern, den ihr mir vor die Haustüre kehrt, obgleich ich nicht mal eine Haustüre besitze. Der Dreck steht mir demungeachtet bis zum Hals. Und DU bist Schuld, das schwöre ich, nur DU, nur Du und DU und DU und NUR du.

[Und gerade haben die abgefuckten Zigeuner an der besagten Türe geklingelt. Wie ich sowas hasse. Wenn ich dafür nicht in den Knast kommen würde, würde ich die alle abknallen, obschon sich mein Aggressionspotential gerade sehr in Grenzen hält, also müsste ich sie wahrscheinlich nicht mal abknallen, ein kalter Schauer von passenden Fäkalausdrücken würde mir schon sehr taugen.]

1 Kommentar 17.3.10 09:36, kommentieren

Mainstream vs. Subkultur!

Ja, ich gestehe, dass ich in jeder weiblichen Person einen potentiellen Unhold sehe, den ich zu beseitigen gedenke, sofern er in Erscheinung tritt. In früheren Zeiten habe ich deutlich genug akzentuiert, wie essentiell es für das Erwachsenwerden eines Mädchens wäre, dass es in den Genuss der solidarischen Grundhaltung unter seinesgleichen käme. Dies geschah in meiner Gegenwart zu meinem Leidwesen nur allzu selten. Viele Mädchen, für die ich alles tat, fielen mir in den Rücken, standen mir nicht bei, wenn es düster um meine Person wurde. Das missbillige ich bis in alle Ewigkeit. Zudem denke ich, was ich nicht gerne konstatiere, dass Frauenliteratur zu dünn besiedelt ist und zumeist im Speziellen für die Frau als solche publiziert wird. Die wenigsten weiblichen Autoren machen sich die Mühe, ein anderes Interessenfeld abzudecken als das, welches über den eigenen weiblichen Tellerrand hinausgeht. Frauenkrimis legen großen Wert auf die Brutalität ihrer weiblichen Protagonisten. Frauenromane sprechen Frauengemüter an, man spricht über die Mann-Frau-Beziehung, über die weiblichen Leiden, wie Shopping, PMS, verständnislose Männer, feindliche Freundinnen und dergleichen.

Wohl liegt das in der Natur der Frau, ist sicherlich auch auf die Scheu, negativ aufzufallen, schlechte Kritik einzufangen, zurückzuführen, so nach dem Motto "Wie kann eine Frau nur diesen männlichen Gedanken nachängen? Hat sie denn ein so ausgeprägtes männliches Ich, vor dem man sich gar fürchten muss als Mann? Warum dementiert diese Autorin ihre Weiblichkeit?" Selbst ich bin mir nicht 100prozentig sicher, woher das kommt, dieses Vermeiden oder gar Verleugnen seiner Weiblichkeit, das Verstecken der weiblichen Attribute, das Hervorkramen einer gar aufgesetzt wirkenden männlichen Haltung. Die Emanzipation hat viel bewirkt und mir manche Frauen wirklich ziemlich unsympathisch gemacht.

Ist es tatsächlich so, dass man es nötig haben muss (Achtung!), um sein Inneres durch sein Äußeres nach außen kehren zu können? Ich habe kein starkes Inneres, also muss ich ein starkes Äußeres durch krasse Klamotten und krassen Schmuck und krasse Frisuren an den Tag legen. Ich hatte selten Phasen, die über die der schizophrenen Phase, in der eine Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes durchaus die Folge sein kann (Scherz!), hinausgingen, hatte nie das Bedürfnis, etwas an mir zu "verschandeln", um tougher zu wirken, um mich gewissermaßen interessanter darzustellen als ich es in der Wirklichkeit bin. Ich hatte auch nie das Bedürfnis, mich auszuprobieren in der Klamottenwahl, in der Musikselektion.

Ich wollte nur innere Ruhe für mich selbst finden und im Gegenzug dazu wollte ich andere in Ruhe ihr Ding durchziehen lassen, ihr Mainstreamding, wie ich es nenne, da die Massen vom Mainstream leben, der anscheinend irgendetwas anspricht im Publikum, das generell geliebt werden kann. Das sind meistens Dinge, also Menschen, Filme, Musiker, die kaum über die Oberfläche hinausgehen, die sich vor der Realität scheuen, die derzeitige Trends aufgreifen, die Courage nur aus dem Fremdwörterbuch kennen und die mir demzufolge auch selten ins Auge fallen.

Musik ist eine andere Sache. Viele mögen die Beatles, ich mag die Beatles. Aber bei der Musik ist es natürlich auch eine objektive Sache. Man kann kaum dementieren, dass die Beatles herausragende Musiker in der Musikgeschichte sind und waren.

Man kann sich dafür aber im Bereich Filme umso mehr um den guten Geschmack streiten. Beispielsweise kann ich mir Sendungen wie "Die Simpsons" keine fünf Minuten lang ansehen, ohne dass mich dies zutiefst beunruhigen würde. Das liegt aber nicht zuvörderst an der Sendung, sondern vielmehr daran, welches Publikum davon angesprochen wird und dass sich unter den Zuschauern auch viele Kinder befinden, die sich aus ambivalenten Gründen vom Simpsons-Wahn mitreißen lassen, ohne eben, da ambivalent, zu wissen, warum überhaupt.

Es gibt natürlich auch einen durchgängigen Kritikpunkt, der positiv ausfällt. Es gibt tatsächlich ein paar Gags und Grundideen, denen ich etwas abgewinnen kann. Das trifft auch auf anderweitige Sendungen dieser Richtung zu, wie zum Beispiel "American Dad" und "Family Guy". Zugegebenermaßen sehe ich mir, wenn ich bereits im Bett liege und mir eine Einschlafsendung herzappen möchte, Family Guy an, weil ich die durschlagende Idee mag. Das könnte man auch auf etwas "Menschliches" projizieren, denke ich mir dann.

Aber natürlich gehen Sendungen wie diese nie über ihren Sendebereich hinaus und werden wohl ad infinitum auf Pro7 und MTV ausgetrahlt werden.

Manch einer, zumeist der gebildete Lehrer unter uns, gesteht uns mit recht viel Ehrgefühl, er sähe, wenn überhaupt, den Sender "Arte". Quotenmäßig sind einige Beiträge auf Arte noch lange nicht so expressiv-narrativ, als dass sie in der tiefen Mittelschicht unserer Gesellschaft wirklich Bestand hätten. Arte schauen die, die Interesse haben und nicht die, die sich interessieren wollen.

Natürlich finde ich keinen Gefallen an Soaps und an vor aufgesetztem Humor triefende Sitcoms, die durch sogenannte Lachkonserven auch beim Publikum ein ebensolches Gelächter bewusst herbeiführen wollen. Allerdings gibt es einige mich ansprechende Sitcoms, wie zum Beispiel "Two and a half men" und "King of Queens" (bis zu dem Zeitpunkt, als es letztlich ins Surreale abdriftet).

Ganz schrecklich finde ich ja die Bill Cosby Show, in der dem weißen Volk geradezu aufs Auge gedrückt wird, dass man als Afroamerikaner sehr wohl dazu in der Lage ist, sich ein fabulöses Leben aufzubauen. Allerdings wird hier gänzlich außer Acht gelassen, dass auch eine aufgeklärte Claire einen Haushalt und einen Haufen Kinder "führen" kann (gar muss, würde ich sagen), ohne ihren Status zu verlieren. Das Haus steht, die Kinder ernähren und erziehen sich selbst, die Eltern sind voll berufstätig.

Noch um einiges schrecklicher, natürlich und immer wieder: Gute Zeiten schlechte Zeiten Einst, ich war in der Grundschule, fragte mich eine Freundin, ob ich mir diese Serie zu Gemüte führen würde, was ich verneinte. Einmal sah ich sie, diese Serie. Ja, einmal und nie wieder. Rein interessehalber sah ich mir ein paar Minuten davon an und musste echt meinen Verstand auf Cero schalten, um das Gesehene aufzunehmen. Ich sah also 5 Minuten sämtliche Schauspieler, die weder Ausstrahlung noch Talent besaßen, die sich anstarrten (natürlich würde man das im richtigen Leben genauso handhaben, denn wenn ich zu vermeiden versuche, dass mir jemand auf die Schliche kommt, sehe ich auch gerne recht verdächtig aus) und die sich durch Zufall in so einer großen Stadt wie Berlin fortlaufend begegneten, ohne sich begegnen zu wollen (Irgendjemand hat irgendjemanden betrogen und genau in dem Moment kommt der Partner desjenigen, der betrogen hat, um die Ecke und entlarvt den Betrüger). Nun, von Berlin hatte ich immer einen anderen Eindruck, aber nicht den, dass es nur aus einer Straße besteht.

Der Schwindel sitzt in meinem Kopf, macht mich recht müde und das vor allem um diese Uhrzeit. Wer wundert sich da noch, außer die GZSZ-Gucker vielleicht oder diejenigen, die 20jährig und nasebohrend vor der Glotze sitzen und sich die Simpsons reinziehen und meinen, sie würden dadurch, indem sie nebenbei, also quasi nur im Vorbeigehen, "DIE ZEIT" lesen, dem gängigen Mainstream entkommen. Haha.

Verstehen wollen und tatsächlich auch verstehen können, sind so grundverschieden wie das Ave Maria und Highway to hell, weil mir gerade kein treffender Vergleich als Gegenüberstellung einfällt, aber das gestatte ich mir, zu einer derart unmenschlichen Uhrzeit wie dieser. Noch eines, kurz bevor ich mich den hoffentlich verheißungsvollen Träumen hingeben kann: Unwissen ist das eine und sei uns allen gestattet, aber eine elementare Unfähigkeit, verstehen zu wollen, die sich durch das Leben mancher Personen zu ziehen scheint wie ein roter Faden, ist das andere und demnach auch sehr alarmierend.

Idealisten würden sagen: Ich begreife das, was ich begreifen will. Und die Realisten unter ihnen würden monoton flüstern, sodass es fast wie ein Nachhall klingt: Aber das, was wir nicht begreifen, ignorieren wir dann so, dass ein idealistischer Einschlag beibehalten wird. Mag heißen: Jemand, der die wirklich wichtigen Dinge im Leben verkennt, ist in meinen Augen gleichermaßen jemand, dem es ebenso an der wirklich essentiellen Intelligenz mangelt, also beispielsweise an der sozialen Intelligenz. Womöglich könnte man auch sagen "Achja, auswendig lernen und klugscheißern kann jeder, aber derjenige, der dabei die Not seiner Mitmenschen unbeachtet lässt, hat es wirklich verdient, mit in die oberste Liga aufgenommen zu werden."

Schulische Intelligenz scheint am gängigsten zu sein und jeder, der darüber verfügt, meint, er wäre prädestiniert für eine großartige Welteroberung. Selten will noch einer klein anfangen. Nein, man will gleich voll durchstarten und das natürlich am Besten durch ein Studium. Keine Praxiserfahrung? Pustekuchen. Kein Gefühl für das Wesentliche? Ist doch egal. Hauptsache du bist Student, hauptsache dir nimmt keiner die Illusion, du könntest wirklich was, außer nachplappern, ohne zu verstehen. Nein, genau andersrum.

Abseits der angefochtenen Moral, gibt es für mich ferner nur wenige Menschen, denen ich tatsächlich etwas abgewinnen kann. Deshalb schreibe ich und will Filme machen, weil ich es vielleicht irgendwann schaffen kann, mir eine passable Welt aufzubauen, in der es sich zu leben lohnen könnte, ohne den Untergang frühzeitig vorauszusehen.

Und nun folgt einwandfreies Redigieren.

1 Kommentar 16.3.10 10:12, kommentieren

Ein kollektives Problem.

Menschen verschwenden Wasser, indem sie länger duschen als unbedingt nötig. Im Grunde bräuchte man gar nicht duschen. Denn nach dem Tod muss das ja auch nicht mehr sein. Aber duschen müsste man, wenn man denn duscht, so lange bis man die Stellen, die nicht ausschließlich mit Wasser gereinigt werden müssen, gesäubert hat. Wobei das natürlich falsch ausgedrückt ist, weil Menschen nicht zwangsläufig schmutzig werden und also gesäubert werden müssten. Das wird in gleicher Weise überbewertet wie Sex und Liebe und vieles mehr.

Duschen ist für mich also ein ganz schrecklicher und inzwischen allzu veralteter Brauch.

Kontinente sollte man nicht übergreifen, wenn ihr versteht. Für mich ist es ein Falsches, ein Missverstehen, eine Dissoziation, wenn man glaubt, man könnte mit Menschen Beziehungen jedweder Art (ich beziehe das auf das Zwischenmenschliche) eingehen, die einem nicht gleichen wie ein Ei dem anderen, verdammte Scheiße. In diesem Sinne müsste man klonen was das Zeug hält, um Zustände herbeizuführen, die nicht im Krieg enden.

Ich hingegen habe erkannt, dass wenn nur ich selbst der beste Freund und der gnädigste Richter sein kann. Nur ich selbst kann meinen eigenen Bedürfnissen gerecht werden. An allem anderen habe ich nur allzu geringes Interesse.

Non-existent sind: Liebe, Leben, Meinungen.

Liebe deshalb, weil sie nicht existiert und gekoppelt ist. Ich will mich nicht wie der dumme Freud auf den Trieb berufen. Liebe ist das, woran wir unser Leben festmachen. Jesus wurde aufgrund der Liebe ans Kreuz genagelt. Das ist es nämlich: Wir nageln uns, wenn wir zu lieben glauben, ebenso symbolisch ans Kreuz. Wir sind die Jünger Jesu und glauben zu lieben, indem wir uns in Liebesdingen auf Menschen stürzen wie Aas auf totes Fleisch: ekelhaft.

Das Leben ist non-existent, weil es schlichtweg nicht existiert. Wir verhandeln mit den Göttern, weil wir glauben, am Leben festhalten zu müssen. Dabei läuft alles Leben zwangsläufig auf den Tod hinaus. Freilich besteht der Sinn des Lebens gleichermaßen im Tod. Würden wir nicht sterben, würde der Sinn darin bestehen, gar nicht erst geboren zu werden.

Meinungen oder Ansichten sind aufgrunddessen nicht existent, weil niemand, der Meinungen verkündet, den Sinn des Lebens, der ja bekanntlich im Tot-sein besteht, verstanden hat. Wer ebendiesen Sinn erkannt hat, verkündet keine Meinungen und daraus resultierend sind Meinungen und Ansichten nicht existent. Wir sind unverwundbar, so lange bis wir sterben. Wir können essen, was wir wollen; wir können angreifen, wen wir wollen; wir werden sterben: und zwar früher oder später.

Ich werde ein Buch schreiben und den Gegenbeweis für alles bislang Verbreitete stellen. Nichts ist da, muss da sein: Liebe, Wut, allem voran die Angst. Wir sind nicht besser als derjenige, der konstatierte, Jesus und eben der Sohn von Gott zu sein. Wir sind allesamt junge Götter: Nur schlechter im Kämpfen und Altern und Lieben. Jesus hat erkannt, dass es manchmal besser ist, tot zu sein als das zu verteidigen, das - wie ich schon sagte - zwangsläufig im Tod endet und also gipfelt: das Leben.

14.3.10 17:17, kommentieren

Jan Delay geht mir auf die Nerven, manchmal.

Habe ein fettes Paket bekommen, mit Dingen, die ich tatsächlich gebrauchen kann. Ich sag nur: "Sherlock Holmes"; das erklärt alles in Kürze. Die "Band" kontaktierte mich per Telefon und sagte (besser gesagt der gute A.): "Boa ey, voll cool Isi, dass du jetzt bei uns dabei bist.." Ich unterbrach: "Vergiss nicht, "Sam", nur ein einziges Mal." Er: "Ach.." Sowas hasse ich, weil ich selbst, als ich noch eine Windel am Arsch kleben hatte (ich war ein Jahr alt oder so, nur um Irrungen zu vermeiden), niemals meine Meinung zu einer Sache geändert habe. Hatte ich eimnal meinen Flow, hatte ich immer meinen Flow. Aber ich sagte nichts weiter dazu, außer: "Wird nicht so schwer werden. Ich sag dir mal was, ich hab die letzten Jahre nichts anderes getan, als mich mit Musik und all dem Kram zu beschäftigen. Ich kenn jeden verfickten Ton von Aretha bis Zeppelin; weiß, dass man, um gut Musik zu machen, ein guter Musiker sein muss. Reicht schon, wenn wir gut in der Time sind und so weiter. Ich will mich da nicht allzu sehr reinhängen, zudem will ich ja auch nicht dabei bleiben, wie du weißt." Und er: "Woa, du klingst voll professionell, ich habs vorhin zu S. gesagt: Gut, dass wir dich dabei haben, dann kann echt nichts schief gehen." Ich wiederum: "Hm, ich weiß nicht so recht, aber vor ein paar Tagen habe ich meinen Scheitel plötzlich auf der anderen Seite gezogen. Mag heißen, dass ich so ein Mittelding gefunden habe, so eine Mischung aus "Fuck it, ist mir scheißegal" und "lass uns mal Musik machen und eventuell ein bisschen Geld dabei verdienen." "Ja.", sagte er und ich legte auf, weil ich keine Lust mehr hatte; auf das Telefonat. Schrieb noch kurz eine SMS, die ich versehentlich an S. schickte und dann an A. weiterleitete: "Funkloch! Das soll uns aber nicht beim Gig passieren, hehe. Ich freu mich drauf. Isali."

10.3.10 20:06, kommentieren