Death Proof. Bitte tut mir den Gefallen und LEST diesen TEXT, Danke schon mal.

Ich frage mich, ob es normal ist, 21 Jahre alt zu sein, zu Hause zu wohnen, keine Freunde zu haben, weil man das so will, weil man Menschen grundsätzlich abstoßend findet und sich, auch wenn man wollte, nicht dagegen zur Wehr setzen kann. Vielmehr frage ich mich, ob es normal ist, alles, was man in Angriff nimmt, nicht überwinden, bestehen oder schaffen zu können, bei der kleinsten Kleinigkeit in Schwierigkeiten zu geraten, weil an jeder Ecke, buchstäblich, Probleme auftauchen. Ich weiß nun wirklich nicht, ob es normal ist, mit einer derartigen Schwere aufzuwachen, aufzustehen, den Tag zu beginnen, den Tag zu beenden, ins Bett zu gehen, einzuschlafen. Eine Schwere, die drückt, schmerzt, keinen Platz für Hoffnung freilässt.

Ich kann nun wirklich nicht sagen, dass ich weiß, ob es normal ist, an allem zu scheitern, wenn andere, die augenscheinlich noch so dumm und linkisch sind, keine Probleme damit haben.

Und es schmerzt, zu wissen, dass man allein auf der Welt ist und das, selbst wenn man wollte. Man fühlt sich nicht zu Menschen hingezogen, kann das nicht ertragen, kann das einfach nicht ertragen und weiß, dass das niemand versteht. Niemand versteht, wie schmerzvoll und geradezu peinigend es sein kann, in die Nähe eines Menschen zu geraten, Dinge gefragt zu werden, die man nicht beantworten kann, berührt zu werden, obwohl man das nicht will und sind es auch nur zufällige Berührungen.

Mein Körper schmerzt, jeder Muskel schmerzt, weil ich mit dieser ständigen Angst leben muss. Wenn ich im Bett liege, dann halte ich die Hand auf mein Herz gepresst, weil ich Angst davor habe, mein Herz könnte den Brustkorb sprengen, solche Schmerzen habe ich. Ich liege zusammengerollt in meinem Bett, schließe krampfhaft meine Augen, sage mir immer wieder vor, dass ich einschlafen muss, dass es spät ist, dass Einschlafen kein Problem ist, dass ich mir die Schmerzen nur einbilde, dass ich mir, letztlich, mein Leben nur einbilde.

Ich wache auf und es fühlt sich jeden Tag so an, als wäre ich gerade erst aus einem Koma erwacht. Jeder Muskel schmerzt und ist angespannt, weil ich fortwährend damit rechnen muss, auf Gefahren zu stoßen. Ich begebe mich schwermütig ins Bad, wage kaum einen Blick in den Spiegel, verlasse das Bad, setze mich ins Wohnzimmer, sehe fern, höre nicht zu, mein Blick schweift ab, meistens ist er an die Wand gerichtet. Meine Gedanken kreisen um ein und dieselben Themen: Führerschein, den ich niemals bestehen werde; Vater, Mutter; Tod; Praktikum; Ausbildung; Angst vor geschlossenen Räumen; Angst vor Berührungen; Angst vor Interaktion; Angst vor der Zeit, die mir davonrast; Angst davor, immerzu abgelehnt zu werden; Angst davor, nicht mehr aus der Sackgasse herauszufinden; Fragen - warum man lebt; warum man den Führerschein macht, wenn doch alles schmerzvoll ist; warum man in seinem Leben noch nie etwas getan hat, was man auch wirklich tun wollte; warum man seit Jahren kein Interesse mehr hat; warum man lebt; warum man...lebt.

Ich bringe mich nur aus dem einen Grund nicht um: Ich hoffe auf den Tag, ab dem alles besser wird, obwohl ich selbst nicht daran glaube, weil ich insgeheim weiß, dass dieser Tag nie kommen wird. Er wird nie kommen, weil die Vergangenheit immer bleiben wird und weil die Vergangenheit nicht mit dem Weiterkommen, mit dem Leben an sich, vereinbar ist. Sollten die Ängste, der Hass, die Aversion irgendwann verschwunden sein? Menschen, das Leben, ist mir zuwider. Sollte das irgendwann nicht mehr so sein? Warum? Nichts macht Spaß. Beim Autofahren muss ich mich jedes Mal daran erinnern, was ich gerade mache. Ich muss meine Konzentration auf die Situation lenken, muss mir alles wieder neu vergegenwärtigen, von Mal zu Mal. Das ist nicht normal. Es gibt nicht viele Menschen, die so sind, die alles, was sie in Angriff nehmen, entweder nie oder erst sehr spät können.

Es war schon immer so. Oder vielmehr seit der 8. Klasse, als ich anfing, darüber nachzudenken, warum ich am Leben bin. Ich dachte schon früher darüber nach, aber der Tod meiner Oma, der Auszug meines Vaters, der Bruch mit meinen Freunden war der Auslöser. Der Lehrer, ein Deutschlehrer, wollte mit uns ein Spiel spielen. Gesellschaftsspiele, Mannschaftssportarten und dergleichen waren mir schon immer zuwider, weil ich keinen Sinn darin sah, nicht ausschließlich für sich selbst zu kämpfen. Ich dachte schon immer zu kompliziert. Im Kindergarten vermutete man, ich wäre hochbegabt. Dem Test zufolge traf das zu. Aber der Autismus, von dem im Grunde niemand weiß, weil ich nicht darüber spreche (entweder man weiß nicht darüber Bescheid oder man nimmt keine Rücksicht darauf, also warum nicht wie ein Idiot dastehen wollen); sogar meine Mutter dementiert den Autismus. Sprach sie in all den Jahren ein einziges Mal darauf an, worauf sie erwiderte: "Würdest du bitte mein Wohnzimmer verlassen!"

Aber ich weiß, dass ich leicht autistisch bin, doch was nützt mir der Scheiß, wenn ich mit niemandem darüber spreche und nicht mal einen Psychotherapeuten besuche. Nichts. Demnach sollte ich mich wohl tatsächlich umbringen. Ich habe einfach keine Lust dazu, mit all den Krankheiten und dann noch mit der Vergangenheit leben zu müssen. Ich habe Angst und ich habe Schmerzen. Ich WILL das alles NICHT (mehr).

Wir spielten also ein Spiel -ich erzählte schon mal davon- und ich kapierte allen Ernstes nicht, was der Mann von mir wollte. Besser gesagt konnte ich es nicht nachvollziehen. Ich kam nicht hinter die Einfachheit des Spiels. Der Lehrer, dessen Standardsprüche wie folgt gingen: "8. Klasse Gymnasium (dabei "schlug" er die Außenseite der rechten Hand in die Innenseite der linken Hand) !"; "Tu niemals tun sagen!"; "Himmelhochjauchzend, zu tode betrübt." war der Verzweiflung nahe und ich wollte demungeachtet nicht kapieren.

In der Realschule mussten wir dann den 1.-Hilfe-Kurs absolvieren. Dabei gab es auch diverse Probleme. Vor allem dann aber in der 11. Klasse, als ich den Schwesternhelferinnenkurs absolvierte. Ich kapierte nie, wie man mit dem alten Blutdruckmessgerät umgehen sollte. Die ältere Schwester auf der Station nahm mich einige Mal beiseite und erklärte mir das wohlwollend, allerdings kapierte ich wieder nicht. Damals wollte ich das noch kapieren, aber irgendetwas blockierte mich, ich verstand nie, worum es ging. Ich verstand einfach nicht, warum ich das machen sollte und wozu das gut sein sollte und warum ich das ausgerechnet so machen sollte.

Ganz ehrlich, in all den Jahren (14 Schuljahre) war kein einziger Schüler in meiner Klasse, der mit diesen banalen und mikroskopischen Dingen in gleicher Weise Probleme hatte wie ich. Ich verstand oftmals die Sinnzusammenhänge nicht, zudem hasste ich es, in einer Gruppe über ein Thema diskutieren zu müssen, weil mich das meiste davon ohnehin nicht interessierte und weil ich, wenn ich etwas darüber wissen wollte, auch mit mir selbst darüber diskutieren könnte. Für angebliche Witze und Gags hatte ich ohnehin noch nie etwas übrig. Schönheit war mir schon immer egal. Für Musik (außer für Michael Jackson und die Prinzen oder irgendwelchen Klassik-Kack) begeisterte ich mich nie in dem Maße wie meine Freunde oder Klassenkameraden. Ich hatte nie das Bedürfnis auf ein Konzert zu gehen. Ich fand Bands, abgesehen von Take That (wegen Robbie) und CITA, langweilig, aber alle meine Freundinnen nicht. Hier wurde ich schon mal ausgegrenzt. Als Kind tanzte ich, wenn ich musste, nie richtig gerne. Ich sträubte mich gegen das Tanzen in und mit der Gruppe. Ich sträubte mich im Grunde genommen von jeher gegen alle Dinge, zu denen ich gezwungen wurde. Im Kindergarten hasste ich die Aufführungen. Ich hasste es grundsätzlich, fotografiert zu werden, also Klassenfotos, weil ich keinen Sinn darin sah, mir dafür die Haare zu kämmen oder mich gerade hinzusetzen. Das allererste Foto (Kindergarten, ich war 3), das gemacht wurde, bereitete mir große Angst. Ich konnte nicht nachvollziehen, was vor sich ging. Ich wusste nicht, warum die beiden großen Frauen die Stühle in einer Reihe aufstellten und ich wusste nicht, warum ich mich auf einen der Stühle setzen und lächeln musste. Setzen musste ich mich zwar, aber ich ich lächelte nicht, ich sah ängstlich, verschreckt und missbilligend in die Kamera. Alle anderen Kinder wussten anscheinend, was vor sich ging: Sie lachten und sahen direkt in die Kamera.

Als dann das Klassenfoto in der 1. Klasse gemacht wurde, saß ich sehr lässig auf dem Stuhl, ich rutschte ziemlich tief, ließ die Arme nach unten baumeln. Meine Mutter bemängelte das sehr (Aussehen bedeutete ihr schon immer alles oder wenigstens ziemlich viel; komischerweise war ich immer das einzige (oder eines der wenigen) Kind, das zu Fasching ein perfektes Make-Up, mit einem ebenso perfekten Lidstrich von seiner Mutter verpasst bekam. Die Haare bekam ich als Kind immer von meiner Mutter gewaschen. Erst kam das Shampoo, dann die Spülung, dann der Schaumfestiger, dann wurden die Haare leicht angeföhnt und anschließend stundenlang mit einem Lockenstab aufgedreht (so wie meine Mutter sich das bei sich auch macht, seit ihrem 11. Lebensjahr oder so, auch was die Schminke betrifft, seit meine Mutter 12 oder 13 war, ist sie nicht mehr ungeschminkt oder unfrisiert aus dem Haus gegangen; was ich aber sehr verständlich und richtig finde; da ich das schon allein aus Gewohnheit, Sitte und Anstand genauso handhabe, was meiner Mutter aber dennoch gelegentlich missfällt, weil die Haare farbiger und frischer und seidiger sein könnten, der Pony soll nach oben geföhnt werden, die Haare nach außen, ein paar Strähnchen, oder eine Tönung; auffälliges Augen-Make-Up, Kleidung mit viel Glitzer und Glamour...). Am liebsten hätte mich meine Mutter in Ballkleidern und ultra-auffälligen Glitzer-Klamotten gesehen, als würde ich jeden Abend eine Vorstellung im Zirkus oder so geben. Aber natürlich durfte ich mir meine Klamotten dennoch immer selbst aussuchen. Ich mochte Nikki-Stoff und meistens das, was auch meiner Mutter gefiel. Ich fühlte mich zumindest zeitweise gut in der Obhut meiner Mutter. Ich wurde überbehütet, mir wurde vieles abgenommen. Das war falsch. Vielleicht einer der Gründe dafür, warum ich heute so bin wie ich bin. Mein Vater hat immer sehr auf meine Körperhaltung geachtet. Immer dann, wenn ich beim Essen nicht gerade genug saß, wurde ein Foto von meiner Körperhaltung gemacht. Grundsätzlich hatte mein Vater etwas an dem, was ich machte, auszusetzen. Wenn ich eine 1 schrieb und auch nur einen Fehler hatte, bekam ich Strafarbeiten, dann wurde gleich ein Plan, den ich abzuarbeiten hatte, aufgestellt und er stellte mir immer wieder die Frage: "Warum hast du das falsch gemacht, das haben wir doch zu Hause geübt? Warum kannst du nicht einmal etwas vollständig richtig machen?" Für die Ferien gab es auch Pläne, die wurden dann zusammen vorher aufgestellt. Am Abend wurde ich dann abgefragt und wenn ich etwas nicht konnte, kam ich entweder in den Keller, wurde verprügelt und musste natürlich trotz der Schläge auf die Fragen antworten. Wenn wir in den Urlaub gefahren sind, hat er mich zwischendurch immer wieder gefragt, wo wir gerade waren, also in welcher Ortschaft, in welcher Stadt. Wusste ich nicht sofort die Antwort, machte er mitten auf der Straße eine Vollbremsung (woher kenne ich das wohl..) und drohte mir damit, mich beim nächsten Mal, wenn ich etwas nicht wusste, auszusetzen: "Dann kannst du zu Fuß laufen!", hieß es dann. Über den Urlaub musste ich auch immer einen Aufsatz schreiben, die ich vermutlich alle aufgehoben habe. Würde mein Scanner funktionieren, aber das ist nicht so.

Für meine Mutter war es immer wichtig, dass alles funktionierte, dass mein Vater nichts zu beanstanden hatte, dass alles reibungslos verlief, dass ich gute Noten schrieb, Freunde hatte, keinen Ärger machte, erfolgreich war. Für meinen Vater war es wichtig, dass alles, ohne dass er etwas dafür tat, reibungslos verlief. Er beteiligte sich nie an der Erziehung, er war lediglich dafür zuständig, mich zu bestrafen, wenn etwas nicht gelang. Er hat mich kein einziges Mal gewickelt oder mit mir gespielt, mich nur gedemütigt und schlecht behandelt. Meiner Mutter wurde selbst vorgeworfen, dass sie dafür verantwortlich war, dass ich ständig schrie als Baby. Ich schrie in einer Tour, kam sogar einige Male ins Krankenhaus. Dort hieß es, als mein Vater Kontrollanrufe tätigte, dass ich schlafen würde, was mein Vater natürlich glaubte. Meine Mutter war total verzweifelt zu diesem Zeitpunkt, wegen meinem Vater und wegen der Last, die auf ihr alleine lag, wegen dem schreienden Baby, ihrer kranken Mutter und ihren eigenen Problemen. Jedenfalls sagte mein Vater aufgrund des Anrufes zu meiner Mutter: "Die im Krankenhaus sagen, dass das Kind schläft. Kein Wunder, dass das Kind bei dir immer schreit, so wie du aussiehst." Als meine Mutter dann allerdings am nächsten Tag ins Krankenhaus fuhr, schrie ich wie am Spieß. Oder auch als meine Mutter schwanger war. Sie hatte unendliche Schmerzen, seelisch sowie körperlich. Sie hat mir erzählt, dass sie immer, um meinen Vater nicht zu belästigen mit irgendwelchen Problemen, rausgegangen ist in den Garten und immer hin und her gelaufen ist, sich auf die Lippe gebissen hat, die Nägel in die Handballen gegraben hat, weil sie das alles nicht mehr ausgehalten hat. Irgendetwas war da noch, während der Schwangerschaft, fällt mir aber im Moment nicht ein. Jedenfalls ist mein Vater Schuld an allem: An der psychischen und physischen Verfassung meiner Mutter, an meiner Verfassung, daran, dass meine Mutter jetzt kein Geld hat, daran, dass es meiner Oma auch nicht gut ging, weil er sie (wie ich auch, wie bereits erwähnt) wie den letzten Dreck behandelt hat. Wäre mein Vater nicht gewesen, hätte meine Mutter wahrscheinlich noch ein zweites Kind bekommen, dann wäre das alles nicht passiert, dann wäre ich heute nicht so vollkommen wahnsinnig, dann würde ich vielleicht noch leben (wollen).

Alles, was mit Körperkontakt oder unfreiwilliger Beteiligung zu tun hatte, verabscheute ich von jeher. Ich wollte nicht tanzen oder singen, kein Referat halten, nicht ausgefragt werden, keine Tests schreiben, nicht arbeiten.

Das einzige, woran ich als Kind Freunde hatte, war viel Blödsinn machen, andere Leute austricksen oder quälen, Leichtathletik, Tennis, Skaten, Golfen, Angeln, Fische töten und ausnehmen, den Leuten Streiche spielen, gemein sein, lesen, Theater spielen, mich (oder andere) auf Kassette aufnehmen, mir Szenen ausdenken, um die ebensolchen mit der Kamera festzuhalten, mir neue, hinterlistige und gemeine Spiele ausdenken,...

Aber alles, wozu ich aufgefordert wurde und was ich tun musste, fand ich grauenhaft, weil ich kein Verständnis dafür hatte, warum ich all diese Dinge tun musste und wozu das gut sein sollte. Ich wollte schon immer frei sein, morgens aufwachen und machen können, was ich wollte.

Seit der 8. Klasse habe ich für Pflichten, wie gesagt, überhaupt kein Verständnis mehr. Also klaute ich, also fälschte ich Unterschriften, also lernte ich nichts mehr, also schrieb ich nichts mehr auf Tests, also trank ich, also nahm ich Drogen, also prügelte ich mich, also schwänzte ich Schule, als beleidigte ich meine Eltern oder andere Menschen, also resignierte ich, also musste ich eine Prozesskostenhilfe in Anspruch nehmen, also wurde ich hochgradig depressiv, also hatte ich grundsätzlich keine Lust mehr auf dieses Leben.

Ehrlich gesagt weiß ich tatsächlich nicht mehr, warum ich überhaupt noch am Leben bin, warum ich diese Ausbildung machen werde, weil ich doch so großes Interesse daran habe, zu arbeiten oder freundlich und kommunikativ zu sein -alles Kriterien, die dieser Beruf erfordert. Ich weiß nicht, warum ich noch am Leben bin, warum ich den Führerschein mache, mich anschreien lasse, immer wieder die gleichen Fehler mache, extreme Probleme damit habe, mich auf etwas generell Menschliches einzulassen. Etwas Menschliches: Etwas, das für andere selbstverständlich ist. Etwas, das man lernt und dann kann.

Ich hingegen bin hoffnungslos, weil ich mich nicht der Welt zugewandt fühle, weil mein Geist nicht mit dem Körper agiert, ich agiere nicht automatisch, natürlich, ich bin ein Kunstprodukt, ich bin ferngesteuert. Heute war ich den Tränen nahe, weil ich mal wieder angeschrien wurde, weil ich einfach nicht mehr kann. Das ist es nämlich. Ich bin kaputt, kann nicht mehr, ich bin vollkommen leer. Wenn ich etwas tun muss, zwinge ich mich dazu, dann erfordert das 1000fach so viel Energie und also Kraft, dann komme ich nach Hause und bin vollkommen aufgelöst, dann sehe ich mich im Spiegel an und würde mich am liebsten auf der Stelle umbringen oder mir die Pulsadern aufschneiden, hinter zu meiner Mutter ins Schlafzimmer gehen und lachen. So kaputt bin ich. Meine Mutter kennt diese Gedanken nicht mal und hält mich schon seit Jahren für kaputt. Ich will mich verbluten sehen, irgendwie, ich will mir dabei zusehen, wie die Kraft aus meinem Körper schwindet, wie das Leben aus meinem Körper schwindet und ich immer seliger werde. Ich habe keine Lust mehr auf das Leben. Das hatte ich wohl schon auch als Kind nicht, weil ich im Alter von 1 oder 2 versuchte, "mir das Leben zu nehmen", indem ich nichts mehr aß und das, was ich aß, erbrach. Danach fiel ich vom Klettergerüst, von der Schaukel, vom Reck. Ich tauchte so lange, bis ich keine Luft mehr bekam, blieb unten, mein Vater zog mich wieder raus. Ich hing noch nie an diesem Leben, aber ich hatte damals, als ich noch Kind war, einfach keine Zeit dazu, mich mit dem Tod zu befassen. Ich lebte, weil meine Mutter und mein Vater mich jeden Tag abfragten und weil mein Vater jedes bisschen Wissen buchstäblich in mich reinprügelte. Wahrscheinlich wäre ich nicht mal ins Gymnasium gekommen, hätte meine Mutter mich nicht jeden Tag abgefragt und hätte mein Vater nicht ständig mit mir Mathe gelernt. Dann hätte ich mir zumindest die beschissene Zeit gespart, aber was soll's. Ich war schon intelligent, aber ich war auch schon immer kaputt, also gestört. Ich quälte Menschen, vor allem Kinder, ich hatte Spaß daran, Tiere sterben zu sehen oder gar selbst zu töten. Ich hatte nie Spaß daran, mich in großen Gruppen aufzuhalten, wollte Menschen immer nur für mich alleine oder gar nicht. Immerzu musste ich mich arrangieren, oft musste meine Mutter mich zurechtweisen, weil ich draußen im Garten stand, Corinna, die ich nicht ausstehen konnte, weil sie fett, naiv und nett war, und Stephanie zu Besuch hatte, und zu Corinna sagte, dass Stephanie gesagt hätte sie (Corinna), wäre dick. Ich wiederholte das die ganze Zeit, weil ich eifersüchtig darauf war, Steffi mit der Fetten teilen zu müssen. Ich stand also im Garten und sagte in einer Tour: "Steffi hat gesagt, du bist dick." Als Steffi sagte, dass sie das nicht gesagt hätte und als Corinna sagte, dass sie das nicht glaubte, wiederholte ich demungeachtet: "Steffi hat gesagt, du bist dick." Meine Mutter dachte, sie traute ihren Ohren nicht, und rief mich zu sich rein. Bekam einen Anschiss, ging wieder raus und war wütend. Corinna fragte dann, was los wäre (dumm halt) und Steffi antwortete: "Na, nen Anschiss hats bekommen."

Aber so extrem, so sonderbar, bin ich erst, seitdem ich keine richtigen Freunde mehr habe und seitdem ich mich an das Alleinsein gewöhnt habe. Früher hatte ich gar keine Zeit, mir Gedanken über diese ganze Scheiße zu machen. Ich war zwar schon immer seltsam, raffte die simplen Dinge erst nach mehreren Anläufen, aber ich war immerhin dazu in der Lage, in die Schule zu gehen und mit Menschen zusammen zu sein. Seitdem ich aber diese Ängste und Schmerzen habe, fühle ich mich wie gesagt nicht mehr dazu in der Lage, richtig zu agieren. Geist und Körper sind nicht im Einklag, reagieren unabhängig voneinander. Ich will das nicht, ehrlich gesagt. Das macht mich so müde. Ich habe eine Fahrstunde, komme nach Hause, bin vollkommen fertig, schmeiße mich auf mein Bett, könnte sofort einschlafen.

Ich habe nur eine einzige Möglichkeit: Tod sein.

Ich kann nicht leben, zumal ich weiß, dass Therapien mir nichts bringen, dass die Vergangenheit ekelhaft ist und niemals weichen wird, dass ich mich abscheulich finde, dass ich anderen Menschen..nichts Gutes wünsche.

Tja, that's the way it is, mal wieder.

 

Und dabei frage ich mich natürlich ebenso, ob es normal ist, einen Passwort-Blog zu führen, wenn nicht mal eine Sau mitliest oder auch nur Interesse daran zeigt. Kann das natürlich niemandem verübeln, da wäre ich die Letzte, die das jemandem zum Vorwurf machen würde.

Wobei, ich würde an deren, gar eurer, Stelle schon einiges anders machen. So wie es sich gehört eben, für ein menschliches Lebewesen.

 

Aber: Was soll ich JETZT machen? Der Fahrlehrer meint, ich hätte ein dickes Problem. Meine Mutter hat kein Geld, ich habe kein Geld. Womit soll ich all die Stunden bezahlen? Ha, ha, ha, ha, ha. Nein, ich lache nicht, ich stehe kurz vorm Kotzen, also würge ich. Ich weiß noch nicht mal, ob ich jemals zur Prüfung zugelassen werde, weil ich ein beschissener Krüppel bin. Und wer soll dann die Stunden zahlen? Meine Mutter wird, falls ich überhaupt jemals zur Prüfung zugelassen werde, zu mir sagen: "Du Stück Scheiße (das hat sie mir in den letzten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren oft gesagt), ich wusste ja schon immer, dass du zu nichts in der Lage bist, aber wenn selbst ich damals nach 20 Stunden meine erste Prüfung gemacht habe, dann wirst du doch, mit deinen 21 Jahren, wohl dazu in der Lage sein, den Führerschein endlich zu bestehen. Erst letztes Jahr habe ich wegen dir deine ganzen Prozesskosten und Strafanzeigen zahlen müssen, hat mich das schon einiges gekostet, aber das (Sie deutet auf den Betrag) ist ja wohl der Gipfel. Du bist doch nicht geistig oder körperlich behindert. Du bist zumindest körperlich gesund. Aber das ist ja kaum zu glauben, das darf man ja niemandem erzählen. Jeder Vollidiot, jeder Depp vom Land, aus jedem Kuhstall, schafft den Führerschein, nur du mal wieder nicht. Ich kann dir schon jetzt sagen, dass du dir da was überlegen musst. Das zahl ich nicht, hab ich ja eh schon kaum Geld, und dann noch die Kosten am Haus und für deinen Fraß, den ich mitfinanziere. Oh mein Gott, wie soll das nur in der Ausbildung werden, das schaffst du doch nieeee, nie (sie lacht) im Leben schaffst du das. Du bist ja so saudämlich, so blöd bist du, das kann man ja kaum glauben. Was hab ich da nur großgezogen, was für einen gestörten und lebensunfähigen Trampel, was für eine Ausgeburt der Hölle. Schau bloß, dass du so bald wie möglich ausziehst und wenn du draußen verreckst, ist mir das auch egal. Ich will dich hier nicht mehr sehen, du gottverdammtes Stück Scheiße."

Das sind die einzigen Unterhaltungen, die ich mit meiner Mutter führe.

Dabei weiß ich nicht mal, ob es gerechtfertigt ist, so etwas zusagen. Schließlich stimmt es wohl, dass ich zu nichts in der Lage bin. Aber ich weiß nicht, was ich dagegen tun soll. Ich weiß es wirklich nicht, ich habe keinen Plan (mehr), ich bin so hilflos, ich bin so verzweifelt, vollkommen am Ende.

Ich habe eine alte, kranke und jammernde Mutter zu Hause, die mich zum Teufel schicken will, die nicht einen Funken an Zuneigung für mich übrig hat, ich habe einen unüberschaubaren Berg an Problemen und eine Masse an Leuten, die mich für geisteskrank, dumm und/oder arbeitsscheu hält. Ich weiß, dass ich nicht geisteskrank oder dumm bin. Aber ich habe keine Lust mehr, einfach nur keine Lust mehr.
Ich weiß, dass das stimmt, aber ich kapiere nicht, warum ich alleine bin. Das kapiere ich einfach nicht.

13 Theoriestunden habe ich schon, das habe ich mir aufgeschrieben. 14. müssen es sein. Allerdings behauptet die Alte von dem Alten, dass mir noch 4 Stunden fehlen. Jetzt kann ich mich also noch 4 Mal (mindestens, man weiß ja nie) zu den abartigen und saublöden, aber fähigen, worauf es ankommt auf dem Planenten Erde, Deppen reinsetzen, mir die stetig wiederholenden "Witze" des alten Mannes anhören, mich vor mir selbst, weil mir meine eigene Anwesenheit in diesem Raum bewusst wird, und vor den anderen ekeln.

Ich habe von Anfang an versucht, mich mit allen Situationen anzufreunden, aber ich kann es nicht mehr dulden, ich kann es nicht mehr mit mir selbst ausmachen, ich kann nicht mehr aufwachen, aufstehen, mit dieser erdrückenden Schwere. Ich kann das einfach nicht mehr ertragen.

Ich werde heute, weil ich mich nicht umbringe (heute), in die Theorie gehen. Eigentlich hätte ich einen Anruf tätigen müssen (Klinikum, wegen Impfung und Unterlagen), eigentlich hätte ich wegen der bevorstehenden OP zum Arzt gehen müssen. Aber nichts dergleichen habe ich getan. Habe mir, weil ich so wütend und erledigt war, also vorgenommen, am morgigen Tag den Anruf zu tätigen und zum Arzt zu gehen. Wer weiß, was passiert. Wahrscheinlich platze ich oder irgendein Organ bricht durch oder dann und wann ein Blutgerinsel, eine Blutung, die sich nicht stoppen lässt. Aber im Alter von 21 ein Tumor: Not bad.

Morgen habe ich den zweiten Teil der Nachtfahrt, mit der Indonesierin, die, wenn sie nach Hause kommt, zu ihrem Mann namens Florian sagt: "Mädchen nicht ganz...wie man sagt...richtig in Kopf." Jajaja, womit sie wohl Recht hat. Ich werde Fehler machen (nicht, weil ich mir das einrede, vor jeder Stunde trainiere ich mein Herz, dass es nicht während der Strecke schlapp macht) und angeschrien werden. Es werden weitere Stunden vereinbart. Nächste Woche werde ich im Klinikum sitzen (schon allein der Satz, du dumme Sau) und mir einen Scheißdreck anhören und einen Scheißdreck zuhören, mir vor Angst in die Hose pissen und auf das Shirt kotzen. Ich werde dennoch sitzen bleiben, vom Lächeln einen Krampf bekommen, weil ich es nicht mehr gewohnt bin, mir ein bis zwei Dinge merken [Dauer des Praktikums und "Wo sind die Toiletten?!?"], nach Hause gehen, kotzen, mich schlafen legen. Irgendwann werde ich vermutlich die theoretische Prüfung absolvieren und, vielleicht, bestehen. Dann werde ich Stunde um Stunde nehmen, Geld, das ich nicht mal besitze, wird mir aus Tasche gezogen, der August rückt näher, ich habe keine Freunde oder Eltern, aber eine handfeste Depression, ich werde am 3. August erneut im Klinikum erscheinen, mein Praktikum, von dem ich nicht mal weiß, wie lange es dauern wird, beginnen, mich selten blöd anstellen, auf den September warten, mich vor der Kälte und den Blättern ekeln, vielleicht inzwischen den Führerschein bestanden haben, was ich nicht glaube, weiterhin meine Texte, die ich noch kein einziges Mal eingeschickt habe, warum, das weiß ich selbst noch so genau (oder doch: weil ich mich für untalentiert und lächerlich halte), horten, mich für nichts interessieren, keine Freundschaften schließen, Gedanken bunkern, neue Ängste entstehen lassen, irgendwann zusammenbrechen, alles auf meine exzessive Dummheit schieben, dem Oktober freudig entgegenfiebern (ja genau), am 1. Oktober meine Ausbildung antreten, Ängste haben, Fehler machen, zur Rede gestellt werden, mich entweder baldigst umbringen oder rausgeschmissen werden, von meiner Mutter auf die Straße gesetzt werden und mich im Anschluss dazu umbringen.

Der Fahrlehrer sitzt gerade beim Essen und sagt zu seiner Frau: "Oh mein Gott, also das Mädchen, ich weiß echt nimmer, was ich mit der noch machen soll. Mir grausts vor jeder Stunde, die kapiert einfach rein gar nichts. Ich halts echt nimmer aus." Und die Frau wird erwidern: "Ach, mach da nichts draus. Ich fand sie schon vom ersten Augenblick an komisch. Aber irgendwann wird sies schon schaffen. Oder meinst net?" Und er wird antworten: "Da bin ich mir mittlerweile gar nimmer so sicher. Die macht Fehler, des haltst echt net aus."

Tja, wenigstens kann ich tippen und Leute imitieren.

 

Der Eindruck täuscht; ich bringe mich natürlich so bald wie möglich um.

3 Kommentare 19.3.10 17:36, kommentieren

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Majorca [Links und deren Titel bitte beachten!].

Es ist spät, ich bin auf Mallorca , so wie meine Mutter es wollte, haha.

Werde wirklich versuchen, mich in den Arsch zu treten. Haben derzeit wieder einige Arbeiten am Haus zu verrichten. Außerhalb, bekommen eine neue Treppe. Stiefvater und Konsorten, Freunde und & ich, arbeiten im Team, bin recht stark und helfe mit. Körperliche Arbeit ist ein Segen, kein Fluch. Geistige Arbeit ist für den Hausgebrauch, meiner Meinung nach. So wie fernsehen kein Hobby ist, ist geistige Arbeit (damit meine ich Philosophen und so weiter) nichts für denjenigen, der sich vom Ballast freimachen will, sofern ihr versteht, was ich meine.

Im Grunde versteht niemand, warum ich das schreibe. Verstünde man aber, hätte man immer schon fleißig mitgelesen und auch wirklich Interesse daran gehabt, zu verstehen, was da steht. Kann das aber von niemandem verlangen, wohin kämen wir denn dann auch. Kann das aber von mir verlangen. Nebst der körperlichen Arbeit, interessiere ich mich für ein, zwei, drei(+) Charaktäre, zu denen ich Henry Miller , Richard D. Precht , A. (bleibt A.), Henrie Schnee und ein paar andere zähle. Im Grunde genommen war das fast schon gelogen. Hätte xbeliebige Namen außer Miller, Precht, A., Schnee (haha) und...ja...nennen können. Mir ist es wichtig, alles von einer Person in Erfahrung zu bringen, wenn ich mich wirklich für denjenigen interessiere. Dann will ich alles wissen. Das passiert allzu, aber auch wirklich allzu-allzu selten. Genau genommen bekomme ich oftmals diese Schübe, diese so genannten manischen Schübe, unter deren Zwang ich mich dazu veranlasst sehe, mich in dem Glauben zu lassen, einmal große Taten vollbringen zu können. Hänge dann den spezifischen Gedanken nach, fordere mich instinktiv dazu auf, ein Bier zu öffnen, weil ich weiß, dass mir das bei der Entfaltung hilft. Aber wie bei Koks , Speed, LSD und Espresso, ist der Fall wirklich extrem tief. 

Ich will mich einfach, zum Teufel nochmal, in dem Glauben lassen und auch in dem Glauben lassen dürfen, also ehrlichen Gewissens, dass in Kürze alles gut werden wird.

A. ist nicht mehr derselbe. Er ist alt geworden, gewissermaßen. Nicht älter, sondern alt. Womöglich hat sich mein Blick tatsächlich verschärft, aber ich meine, Oberflächlichkeit erkannt zu haben. 

Ich täusche mich allerdings grundsätzlich. Das steht außer Frage.

Viele Grüße von der Insel Mallorca ,

eure Isabella

 


3 Kommentare 19.3.10 17:17, kommentieren

Wohin fließt wohl ein Tropfen im buddhistischen Ozean.

Mal all den Kram der letzten Tage, Wochen, Monate und Jahre außer Acht lassend:

Würde gerne ein wenig auf den Buddhismus -oder zumindest etwas dieser Art- eingehen.
Beginne mit einem Satz: Der japanische (wohl sozusagen) Äquivalent zu Ich habe Hunger ist Hunger oder Der Magen ist leer. Ich bin der Geruch der Bratwurst.
Alles Leben ist Leiden hängt mit der Begierde und der ständigen Veränderung zusammen. Man strebt nach Glück, nach immer größerem Reichtum an Emotionen und Materiellem. Die fortwährende Veränderung bewirkt Leiden. Der Weg aus dem Leiden bestünde darin, das Leiden zu umarmen, sich mit dem Leiden -der Begierde und der Veränderung- abzufinden, nicht nach mehr zu streben, sondern zu nehmen, was kommt und zu nehmen, was da ist.
Sich selbst ergründen heißt, sich selbst vergessen. Man ist glücklich, indem man loslässt, indem man erkennt, dass man schon alles hat. Das bedeutet: Eins werden mit dem Leben.


Habe von einer Frau gelesen, die ein weiblicher Mönch werden wollte und wurde. Allerdings ein nicht geweihter Mönch. Folglich musste sie die Farbe weiß tragen.

Habe keinen allzu großen Antrieb, mich noch näher mit dem Thema zu befassen. Habe überhaupt keinen allzu großen Antrieb, was schade ist, denn würde ich zur Abwechslung einmal andere Dinge fokussieren, also in den Vordergrund stellen, wären meine Leiden womöglich wenigstens dadurch ein wenig aufgehoben oder zumindest übertüncht.

Meine Mutter hat Recht. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder, man findet sich mit seinen Leiden ab oder man macht einen Ärztemarathon, läuft von einem Arzt zum anderen, schildert sein Leiden und gibt nicht eher Ruhe, bis einem geholfen wurde.

Hatte ursprünglich vor, die Passagen aus dem Buch wiederzugeben. Das Buch liegt auf meinem Bett. Keine allzu große Motivation, aufzustehen und nach dem Buch zu greifen.

21 Jahre alt. Es ist eine Schande. Eine Schande, so ein Leben zu führen. Sollte ich mich innerhalb der nächsten drei Jahre über Wasser halten können, sollte ich am Leben bleiben, werde ich an irgendein Meer ziehen und mich jeden Tag im Salzwasser reinwaschen. Ich werde so lange tauchen, bis ich kurz vorm Ersaufen stehe, ich werde meinen Kopf, meine Hände, meine Füße, meine Beine, meine Arme, meinen Hals, meinen Bauch und alle anderen Körperteile so lange einweichen, bis ich mich nicht mehr menschlich fühle, ich werde mich von den Sünden (wollte schon freikaufen schreiben) reinigen und versuchen, mit mir selbst gnädig zu sein.

Im Grunde habe ich keinen blassen Schimmer, was ich mal tun werde und wohin ich gehen werde. Vermutlich werde ich mir all das ein Leben lang vorsagen, ohne letztlich etwas dergleichen getan zu haben. So will ich mitnichten enden, aber was tun, wenn man kein richtiger Mönch werden kann. Nein, das war...

Sah gestern zufällig den Hansi Kraus (Pepe, Lausbubengeschichten) im TV, da kam mir wieder die Erinnerung hoch. War mal in München bei meinem Freund David und dessen Schwester Elisa, die ich schon seit dem Kindergarten kenne, zu Besuch. Saßen in einem Biergarten und aßen ein Schnitzel (gemeinsam) und noch etwas (verfasste darüber 2007 (wenn ich mich recht entsinne) sogar schon mal einen Eintrag), als ich eine Stimme wahrnahm, die mich an etwas erinnerte. Sah mich also nach dem dazugehörigen Menschen um und entdeckte Hansi Kraus. Saßen schlussendlich am Tisch des Hansi Kraus und unterhielten uns mit ihm. Wenn man in München wohnt, sieht man mindestens einmal die Woche Hansi Kraus, Bruno Jonas oder...das reicht ja wohl. Achja, und früher sah man (falls ihr sowas kennt, ha) auch immer die Leute von der Abschlussklasse (Freunde fürs Leben) rumlaufen, die gerade drehten und zuhauf starben oder verfolgt wurden.
Mein allergrößter Wunsch war es schon von Kindheit an, in München mit meinen gut situierten (stinkreichen) Eltern zu wohnen, die mir alles ermöglichen, von Klamotten bis hin zu den besten Ärzten und Reisen und Internaten und Studiengängen und erkauften Freunden (haha). Ich habe mich jedenfalls nie nach diesem Leben hier gefühlt. Kann sein, dass alles nur ein Trugschluss ist, dass ich kein anderes Leben verdient habe als das. Aber irgendwie habe ich mich immer nach einem anderen Leben gefühlt, obgleich es seltsam klingen mag. Fühlte mich nach einem typischen Münchner Leben, in einer dieser reichen Familien, Vater Rechtsanwalt, Mutter auch, keine Geschwister oder höchstens einen großen Bruder, der nicht Laslo oder Marius (welch Schande) heißt. Stattdessen sitze ich hier und begnüge mich mit dem, was ich habe: mit nichts.

Hätte mir so ein Leben erkämpfen können, aber dafür ist es schon längst zu spät. Könnte wenigstens normal sein und auf diese Weise dafür sorgen, dass ich mal einen gut situierten (stinkreichen) Mann heiraten kann. Aber dafür war ich wohl nie vorgesehen.
Wie gesagt, wäre gerne normal, sowas von normal, wie eines dieser Mädchen, mit dem ich mal in die Klasse  gegangen bin. Ein blondes Mädchen, Katharina hieß sie, sonniges Gemüt, wohlhabende Eltern, kerngesund, lebensfroh. Sie war nicht allzu gut in der Schule, hat Kinderpflegerin gelernt und geht jetzt auf irgendeine Schule. Sie ließ sich von nichts aus der Ruhe bringen. Die Noten konnten noch so schlecht sein, sie strahlte und sie meinte es auch so. Sie war ein wahrer Sonnenschein (wie geschwollen). Aber: Hätte sie nicht diese blonden Haare gehabt, wäre es wieder etwas anderes gewesen. Die Haare waren nicht besonders schön, nicht besonders dick, aber das machte nichts, in ihrem Fall, denn sie war blond. Blond zu sein ist nämlich ein wahres Privileg. Was gäbe ich doch dafür, dieses Mädchen zu sein. Auch hätte ich nichts dagegen E. zu sein. Aber das geht nun mal nicht. Man kann nicht einfach so von einem anderen Körper Besitz ergreifen, Seelen vertreiben und so weiter.
Man muss sich, nun mal, mit dem zufriedengeben, was man hat; und im Ernstfall das Leiden umarmen.   

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Mörderisches Souvenir.

Während ihr euch ausgeschlafen habt, habe ich alte und kostbare Schätze ausgegraben, habe also gewissermaßen Grabschändung betrieben, sofern man davon ausgeht, dass ich mich an den Gräbern irgendwelcher Vorfahren zu schaffen gemacht habe.
Wie dem auch sei, wollte eigentlich nur sagen, dass ich erneut ein paar Textzeilen wiedergeben möchte, die mir im Laufe des Tages ins Auge stachen.

Aus Büchern, die ich bereits las und nun abermals lese.

Will und werde beginnen, jetzt.

Person A.:
"Ich schrak auf. Der falsche Kurs. Mein Blick auf sie entkrampfte sich. Warum sollte ich an ihren Tod denken? Dann erkannte ich: Nur wenn sie tot war, konnte ich sie so lieben, wie ich sie zu lieben glaubte! Immer wieder der Schauspieler! Du hast sie einmal geliebt, aber du warst zu selbstzufrieden bei dem Gedanken, außer dir noch jemand anderes lieben zu können, dass du sie darüber fast sofort vergessen hast, Du hast dir selbst bei der Liebe zugesehen. Du hast sie selbst zu dieser Tat getrieben, um wieder fühlen zu können. Sie zu verlieren hieße sie wiederzufinden. Ich kniff mich selbst, wie um mich zu überzeugen, dass ich überhaupt fähig war zu fühlen. "Ja, du bist nicht aus Holz gemacht. Du hast Gefühle - aber sie sind fehlgeleitet. Dein Herz arbeitet sprunghaft. Du bist denen dankbar, die dein Herz bluten machen. Du leidest nicht ihretwegen, sondern du leidest um den Luxus des Leidens genießen zu können. Du hast noch nicht angefangen zu leiden, du leidest nur stellvertretend.""

Meine Gedanken hierzu:
Habe das Gefühl, als esse ich Hasenbrot. Esse seit Tagen nur Brot mit Honig, aber das hat nichts mit meinen Gedanken zum Text zu tun, war nur ein beiläufiger Einwurf.
Im ersten "Text" diesen Tages brachte ich bereits annähernd zum Ausdruck, wie ich darüber denke. Nur einem "toten" oder "totgeglaubten" Menschen kann man die Liebe zuteil werden lassen, die er verdient hat oder von der man glaubt, er hätte sie verdient. Ich könnte also einer Person aus Fleisch und Blut niemals etwas gestehen, das einer Liebe gleichkäme, die von mir ausginge. Das könnte ich niemals tun, weil ich selbst nicht daran glaube, einer wahrhaftigen Person irgendein Gefühl zuteil werden zu lassen. Nicht einmal bei meinen Phantomvorstellungen kann ich fortwährend davon ausgehen, die Liebe zu ihnen gebührend erwidern zu können. Ein Einfaltspinsel sagte einst, man müsse, um andere zu lieben, gleichermaßen sich selbst lieben. Natürlich stimmt das, allerdings ist das ein allzu simpler Einfall, nichts von großer Bedeutung, also eine Voraussetzung, etwas, das man weiß und aber darüber hinwegsieht, etwas Abgenutztes eben, nichts, das heute noch von Interesse wäre. Aber weil ich mich selbst nicht zu schätzen weiß, weil ich sämtliche Anschläge auf mich selbst plane, weil ich herausbekommen möchte, wie ich es am besten anstelle, mich und schließlich meine Überreste zu beseitigen, kann ich auch niemanden sonst lieben. Weil ich mir selbst überdrüssig bin, bin ich natürlich auch des Lebens überdrüssig. Ein Schmerz durchzieht die Regionen meines Körpers, ein ziehender und keinesfalls stagnierender Schmerz, der mich in manchen Momente zumindest meiner Mutter gegenüber milde stimmt, weil ich mich mit einem Mal einem plötzlichen und unabwindbaren Tod sehr nahe fühle und mich wenigstens mit meiner Mutter einvernehmlich versöhnt haben möchte. Konflikte, die nie zur Sprache gebracht wurden, sollten beigelegt werden, ohne dass die Betroffenen etwas von der Beilegung mitbekommen werden. Blicke sollten getauscht werden, die hintergründig alles, aber vordergründig nichts bedeuten sollen. Der Tod meiner Großmutter hat mich zurückgeworfen. Heute bin ich wütend auf mich selbst, weil ich an ihr -und nicht an mir selbst- meine Wut ablud. Positiver Narzissmus kreuzt sich mit negativem Narzissmus. Zumeist nimmt eine solche Kreuzung ein böses sowie jähes Ende.

Person A.:
"Der Schock der Entlarvung, den die Entdeckung der ersten Lüge mit sich bringt, hat fast dieselben gefühlsmäßigen Grundzüge wie derjenige, den die Erkenntnis auslöst, dass man es mit einer geisteskranken Person zu tun hat. Verrat - die Angst davor hat ihre Wurzeln in der allgemeinen Furcht vor einem Persönlichkeitsverlust. Es muss für die Menschheit die Zeit von Äonen nötig gewesen sein, um die Wahrheit auf eine so hohe Stufe zu erheben, sie praktisch zum Angelpunkt der Individualität zu machen Der moralische Aspekt war ledigliche eine Begleiterscheinung der Bemantelung für einen tieferen, fast vergessenen Zweck. Und dass histoire Fabel, Lüge und Geschichte, alles in einem, sein sollte, war von einer nicht gering zu achtenden Bedeutung. Und dass man eine Geschichte, die als die Erfindung eines schöpferischen Künstlers aus gegeben wurde, als das wirkungsvollste Material ansah, um zur Wahrheit über ihren Verfasser zu gelangen, war auch bezeichnend. Lügen können nur in Wahrheit eingebettet sein. Sie haben keine Einzelexistenz; sie haben eine symbiotische Beziehung zur Wahrheit. Eine faustdicke Lüge enthüllt mehr, als die Wahrheit jemals enthüllen kann. Das heißt für denjenigen, der die Wahrheit sucht. Für ihn kann es nie ein Anlass des Ärgers oder der Vorwürfe sein, wenn er entdeckt, dass man ihn belügt. Es wird ihm nicht einmal Schmerz bereiten, denn alles würde offenkundig, entblößt und dekuvrierend. sein."

Meine Gedanken hierzu:
Möchte hier zum einen ein paar Folgesätze zur Sprache bringen, also erneut: " Lügen können nur in Wahrheit eingebettet sein. Sie haben keine Einzelexistenz; sie haben eine symbiotische Beziehung zur Wahrheit. Eine faustdicke Lüge enthüllt mehr, als die Wahrheit jemals enthüllen kann."
Nun, als hätte ich es erahnt. Mancher Autor hat anscheinend die Gabe, Dinge zur Sprache zu bringen, die ich, nachdem ich sie bereits aussprach und überdachte, erneut im Buch des ebendiesen Autoren entdecken kann, wenn ich denn das Buch gleich darauf (Ein Abstand, der in wenigen Tagen erfolgen muss.) lese. Schrieb nämlich in einem Beitrag vor ein paar Tagen, eine Lüge müsse gleichermaßen Wahrheit sein. Sie muss nicht nur, sie kann und ist es letztlich auch. Ja, eine Lüge ist gleichermaßen Wahrheit. Sie hat demzufolge, wie hier aufgeführt, keine Einzelexistenz und demnach eine symbiotische Beziehung zur Wahrheit. Und ich schrieb, dass eine Halbwahrheit mehr hervorbrächte als eine Lüge. Das muss ich hier partiell revidieren, weil wir ja zu der Erkenntnis gekommen sind (Ich vergaß, als ich schrieb, das hinzuzufügen, um nicht die Wahrheit, die wirkliche, zu verzerren.), dass eine Lüge immer auch Wahrheit beinhalten würde. Halbwahrheit ist aber dennoch richtig. Immerhin kann ich nicht einfach so sagen "Eine Lüge wäre aussagekräftiger als die Wahrheit." Ich muss also "Halbwahrheit" sagen, ohne mich zuvor erklärt zu haben. In Wirklichkeit hätte ich auch schreiben können: "Eine Lüge wäre aussagekräftiger als die Wahrheit. Wenn ich also "Lüge" sage, meine ich gleichermaßen die "Halbwahrheit", weil die Lüge ja eine Symbiose mit der Wahrheit hat. Das sind oft fließende Übergänge, wenn man von Lüge, Halbwahrheit und Wahrheit spricht. Für mich existieren im eigentlichen Sinne nur Wahrheit und Halbwahrheit. Mit Wahrheit meine ich die allumfassende, da meine ich "das Handtuch fallen lassen", "das völlige Preisgeben", "die Hingabe sich selbst oder einer anderen Person gegenüber", "das Nichtauslassen aller Wahrheiten, die man auf geradem Wege auf den Tisch bringen will". Ich meine die Schöpfung, all die Bücher, die man gerne geschrieben hätte, aber nicht schreiben konnte, weil man unfähig oder zeitweise sogar nicht willens war, die Wahrheit aufzuschreiben, die Wahrheit zu benennen. Selbst in den Gedankensträngen hatte die Wahrheit oft nichts zu suchen. Wahrheit durfte nur dann Wahrheit sein, wenn sie allumfassend war und auch allumfassend sein durfte, wenn man die Lizenz hatte, sie aussprechen zu dürfen. Die Verschleierung der Wahrheit brachte nämlich wiederum nur die Halbwahrheit hervor und das wäre nicht richtig gewesen.
Die Lüge gibt es nicht, weil ich bekanntlich niemals die volle Unwahrheit sprechen würde, weil eine Lüge auch partiell Wahrheit sein muss, um einen Gewinn daraus ziehen zu können.

Person A.:
"Es gibt Tage, an denen die Rückkehr ins Leben quälend und bedrückend ist. Man verlässt das Reich des Schlafs nur widerstrebend. Nichts ist geschehen, außer dass man sich bewusst geworden ist, dass die tiefere und wahre Wirklichkeit der Welt des Unbewussten angehört. So schlug ich eines Morgens nur widerwillig die Augen auf, mit allen Fasern meines Herzens bemüht, mich wieder in diesen wonnevollen Zustand zurückfallen zu lassen, in den mich der Traum gehüllt hatte. Ich war so verdrossen, mich wach zu finden, dass ich den Tränen nahe war. ich schloss die Augen und versuchte wieder in die Welt zurückzuversinken, aus der ich so grausam herausgerissen worden war. Es war vergeblich. ich versuchte jeden Trick von dem ich je gehört hatte, aber ich brachte es sowenig fertig als wollte ich ein fliegendes Geschoss aufhalten und es wieder in die leere Kammer eines Revolvers zurückschicken. Was dennoch blieb war die Aura des Traums: In ihr verweilte ich wollüstig. Ein tiefer Zweck war erfüllt worden, aber bevor mir die Zeit vergönnt war, seine Bedeutung abzulesen, war die Schiefertafel abgewischt und ich war hinausgestoßen worden. Hinaus in eine Welt, deren einzige Lösung für alle Probleme der Tod ist. Nur ein paar Brocken waren in meiner Hand geblieben, und ich hielt sie begierig fest wie die Brosamen, von denen es heißt, dass die Armen sie von der Reichen Tisch sammeln. Aber die vom Tisch des Schlafs fallenden Brosamen sind wie die mageren Fakten bei einem Verbrechen, das für ewig ein Rätsel bleibt. Diese noch frisch von Farbe tropfenden Bilder, die man beim Erwachen wie ein mystischer Scmuggler über die Schwelle mitnimmt, haben eine Art, diesseits die herzzerreißendesten Wandlungen durchzumachen. Sie zerschmelzen wie Eiscreme an einem schwülen Augusttag. Und doch, wenn sie zu diesem rudimentären Magma verschmelzen, das der Rohstoff der Seele ist, bleibt eine nebelhafte Erinnerung - für immer, mochte es scheinen - lebendig, der undeutliche und samtartige Umriss eines greifbaren, empfindenden, zusammenhängenden Ganzen, in dem diese Bilder sich bewegen und nicht ihr Dasein, sondern ihre Wirklichkeit haben. Wirklichkeit!" Das, was das Leben umfasst, erhält und erhöht. Und man sehnt sich danach, in diesen Strom zurückzukehren und für immer darin unterzutauchen. Was blieb dann von dieser unauslöschlichen Welt, aus der ich eines Morgens voll zarter Wunden erwachte, die in der Nacht so wirkungsvoll geheilt worden waren? Das Antlitz der einen, die ich geliebt und verloren hatte! [...] Ein Interim von kleinen Toden, alle schmerzlos, so als seien die Sinne ebenso viele Orgelklappen und als habe eine unsichtbare gütige Hand geistesabwesend den Luftstrom abgedrosselt. Nun liest sie laut bekannte Stellen aus einem Buch vor, das ich schon gelesen haben muss. Sie liegt auf dem Bauch, auf die Ellbogen gestützt, den Kopf in die beiden Handflächen gelegt. Sie zeigt mir das Profil ihres Gesichts, und die weiße Undurchsichtigkeit des Gesichts ist wie mit einer glatten Schicht bedeckt. Die Lippen sind wie zermalmte Geraniumblätter, wie fehlerlos in ihren Scharnieren spielende Blütenblätter, die sich öffnen und schließen. Die Worte sind melodiös verkleidet. Sie kommen aus einem Lautsprecher, der mit einem Baumwollstoff bespannt ist. Als ich erkenne, dass es meine eigenen Worte sind - Worte, die nie zu Papier gebracht, sondern im Kopf geschrieben wurden -, bemerke ich, dass sie nicht mir, sondern einem neben ihr liegenden jungen Mann vorliest. Er liegt auf dem Rücken und blickt mit der Aufmerksamkeit des Anbeters zu ihr auf. Nur diese zwei sind vorhanden, und die Welt existiert für sie nicht. Es ist keine Frage des Raumes, was mich von ihnen trennt, sondern eine weltweite Kluft. Es gibt keine Verbindungsmöglichkeit mehr - sie schweben im Raum aus einem Lotosblatt. Wir sind voneinander abgeschnitten. Verzweifelt versuche ich, eine Botschaft über den leeren Raum hinweg zu senden, sie wenigstens wissen zu lassen, dass die bezaubernden Worte aus dem embryonalen Buch meines Lebens sind. Aber sie ist unerreichbar für mich. Sie liest weiter, und ihre Verzückung nimmt zu. Ich bin verloren und vergessen. [...] Jetzt erinnerte ich mich plötzlich an etwas, was ich vollkommen vergessen hatte. Ich öffnete weit die Augen, wie um über das Stück ferner Vergangenheit hinwegzustarren und freien Durchblick zu finden. Ich sehe den Hinterhof, wie er während des langen Winters war, die schwarzen Äste der Ulmen mit Eis verbrämt, der Boden hart und kahl, der Himmel mit Zink und Laudanum bekleckst, Ich bin der Gefangene in dem Haus unangebrachter Liebe. Ich bin August Angst, der sich einen melancholischen Bart wachsen lässt. Ich bin eine Drohne, deren einzige Funktion es ist, Samenfäden in den Spucknapf der Pein zu schießen. [...] Ich kaue dicke Stücke aus meiner eigenen Melancholie und spucke sie aus wie Kakerlaken. Den ganzen Winter hindurch geht es so weiter - bis zu dem Tag, an dem ich nach Hause komme und sie auf dem Bett in der Blutlache liegen finde. Im Toilettentisch hat der Arzt das Produkt der sieben Monate "Zahnweh" in ein Handtuch eingewickelt dagelassen. Es ist wie ein Hamunkulus, die Haut dunkelrot, und es hat Haare und Nägel. Es ist tot in der Schublade des Toilettentisches - ein aus der Dunkelheit herausgerissenes und in die Dunkelheit zurückgestoßenes Leben. Es hat keinen Namen, noch wurde es jemals geliebt oder betrauert. Es wurde mit den Wurzeln herausgerissen, und wenn es schrie, hörte es niemand. Welches Leben es auch hatte, es wurde im Schlaf gelebt und verloren. Sein Tod war nur ein weiteres, tieferes Eintauchen in diesen Schlaf, aus dem es nie erwachte. ich stehe am Fenster und blicke gedankenlos über den öden Hof auf das Fenster gegenüber. Eine Gestalt huscht undeutlich hin und her. Als ich ihr mit leerem Blick folge, regt sich eine leise Erinnerung, flimmert und zerrinnt. Es bleibt mir überlassen, mich in dem Morast sumpfiger Phantastereien zu wälzen. Ich stehe traurig und aufrecht da wie die Totenstarre selbst. Ich bin der König von Silizium und mein Reich umschließt alles, was trübe und verdorben ist."

Meine Gedanken hierzu:
Ich erinnere mich nicht daran, schon jemals einen Schriftsteller (Buch wäre zu weit hergeholt) gelesen zu haben, dem ich so viel in seiner Präsenz und Aussagekraft abgewinnen konnte wie diesem hier. Dabei spielt es keine Rolle, welchen ich meine. Es spielt nicht einmal für mich eine Rolle, schließlich ist es nur ein Name, den ich suche, wenn ich die Bibliothek betrete und nach seinen Büchern Ausschau halte. Aber es bewirkt schon viel, gewissermaßen sich selbst in einem Text wiederzufinden. Das schafft Zufriedenheit, temporäre, weil man weiß, dass man noch nicht vollkommen verloren ist, dass man zumindest noch die Chance dazu hat, gelegentlich einen guten Text zu lesen. Ich las einmal vor Publikum -da mag ich vielleicht 15 gewesen sein- einen Text vor und man nannte mich "eine Irre", man meinte, "ich hätte sie nicht alle" und dabei hielt ich mich schon damals sehr in dem zurück, was ich eigentlich schreiben hätte können und wollen. Kinski nutzte die Popularität aus, um seinem Zorn auf die Menschen Ausdruck zu verleihen, ohne weggesperrt zu werden, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Bei Kinski traute sich kaum jemand, einzuschreiten, das tat man als "Naja, Kinsiki eben." ab. Man kannte den Mann nicht anders und auch in seinen Rollen nicht. Aber ich spreche hier von einer anderen Generation. Sagte es heute bereits zu meiner Mutter und sie bestätigte es mir:" Wir Kinder damals spielten ganz anders, wir waren viel kreativer und intelligenter und forscher und frecher. Die Kinder heutzutage sind so dermaßen langweilig, geradezu unwürdig zu betrachten." Damit meine ich, dass Kinski unter meinesgleichen noch nicht einmal in Vergessenheit geraten musste. Man kennt ihn nicht. Also ist es für meine Generation nicht einmal etwas Bekanntes, wenn man derartig "auf den Tisch haut", wenn man "Argwohn impulsiv rauslässt", wenn man sich " ordentlich verzettelt und nur noch darüber lacht", wenn man "lacht, ohne zu wissen warum man lacht". Damit will ich jetzt nicht einmal auf Kinski anspielen, weil Kinski ein ganz anderer Mensch war. Ich wollte nur sagen, dass man sich hüten sollte, seinem Trieb, wie ich es nennen möchte, denn schließlich ist alles Trieb, vor einer bestimmten Personengruppe freien Lauf zu lassen. Damit meine ich nicht Sex, deshalb schrieb ich auch, Trieb wäre alles. Ich meine damit, jemandem eine Falle zu stellen, jemanden zu beschimpfen und sich im Grunde genommen nichts dabei zu denken, einfach nur das tun zu können, wozu man Lust hat, außer Mord und den harten Sachen, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. Moral ist eine Beigabe zur Wahrheit, hieß es. Moral ist für mich etwas anderes, aber mitnichten das Bloßstellen einer Person, die sich vielleicht im Moment anders, aber alles in allem recht ordentlich verhält. Was wurde ich oft kompromittiert, was wurde ich oft bloßgestellt, meine ich. Man stellte mich an alle Pranger dieser Stadt, man versuchte, die Wahrheit, die allumfassende, aus mir herauszuquetschen, man wollte, dass ich um Vergebung bat, wenn nötig auf Knien. Wenn ich nichts dergleichen tat, zog man mich zur Rechenschaft, man bestrafte mich und bezichtigte mich eines folgenschweren Vergehens.
Dabei war ich einfach nur anders. Ich war anders. Ein schönes Wort, wäre das, hätte es nicht diesen fahlen Beigeschmack. Anders war ich, aber nicht bösartig. Gerne hätte ich den Leuten gesagt: "Ich hätte euch schon nicht umgebracht, kommt mal wieder runter."
Aber zu spät, zu spät für Reue und dergleichen. Aber noch lange, also nie, zu spät für Demütigung.

Alle anderen "abgeknickten Seiten" muss ich nun vorangetrieben durch fundamentale Müdigkeit zunächst beiseite schieben.
Ich pflege, den üblichen Phantomvorstellungen nachzuhängen, hochgradig hypochondrisch zu sein, die Gegenwart der Zigeuner zu spüren (es ist Frühlingsfest). Ich warte immer noch auf die entscheidende Eingebung, auf Modifikation seitens der Jünger. Der Wert ginge dann nicht gegen Null, er stiege.

Vielmehr bin ich deprimiert über mich selbst, sehr sogar. Ich möchte in den eigenen Tränen baden, kann aber nicht, weil ich keinen Zugang zur mir finde, weil ich nur diese Gedanken besitze und dem Impuls sie niederzuschreiben folge. Mehr kann ich nicht tun. Fühle mich nicht vital, nicht lebendig, werde demnächst (irgendwann ohnehin) untergehen und nie wieder auftauchen. Werde den Schmerzen folgen und es meinem Körper gleichtun.

Irgendwann schreibe ich weiter, vielleicht.

1 Kommentar 17.3.10 10:21, kommentieren

Heute mal fleckig und feucht!

Zunächst hoffe ich darauf, dass die Tests vom Dienstag keine unerfreulichen Ergebnisse liefern werden und meinem Vorhaben sozusagen (###) nichts mehr im Wege stehen wird.

Ließ mir meine Haare kurz -oder zumindest kürzer- schneiden. Warum auch immer ich dies tat, es wurde getan.

Hoffentlich betrachtet ihr, die ihr da seid, wer auch immer ihr seid, Begebenheiten auch so eingehend wie ich. Also beispielsweise sollte man schlechtes Benehmen oder dergleichen nicht so leichtfertig akzeptieren. Man sollte schon auch hinterfragen oder zumindest dazu in der Lage sein. Und man sollte immer wissen, mit was für einer Person man es zu tun hat. Auch bei augenscheinlichen Freunden. Es gibt ja diese Leute, die Stefan Raab (Ich entschuldige mich schon mal vorneweg für meine miserable Diktion, zwar lediglich bei mir selbst, weil unangenehm, aber immerhin überhaupt mal.) mögen, toll und lustig finden. Das sind schon ziemliche Holzköpfe. Stefan Raab hat es nur irgendwie fertig gebracht, eine Show zu schaffen, für die sich die Menschen begeistern lassen, sofern sie nicht selbst Teil der Show im negativen Sinne sind. Gestern habe ich seit Jahren mal wieder einen Ausschnitt aus TV Total gesehen und musste feststellen, dass sich an meiner anfänglichen Meinung, die Show wäre beschissen, nichts geändert hat. Damals war ich 10 und eine Freundin sagte mir, sie würde abends vor dem Zubettgehen immer TV Total sehen. Ich sah dann selbst mal rein und dachte mir "Der Typ ist hässlich und unlustig." So banal kann eine Meinung sein, ja.

Bei Leuten wie Klaus Kinski und Franz-Xaver Kroetz muss ich manchmal schon sehr viel ausblenden, um überhaupt noch eine gute Meinung von den Kandidaten haben zu können. Klaus Kinski war sehr unhöflich zu Desiree Nosbusch damals. Ich erinnere mich, dass diese bei dem damaligen Interview gerade mal 20 Jahre gewesen ist und das gemeistert hat wie ein alter Hase im Showgeschäft. Ich war wirklich begeistert von Desirees Auftritt, als der Kinski die ganze Zeit versucht hat, sie anzumachen, um sich dann wiederum ihr gegenüber fast schon angeekelt zu geben. Das war so ein Wechselspiel zwischen Anmache und Ablehnung. Und dann ständig seine Spielchen mit der Zunge, für die er natürlich nichts kann, aber ekelig war das schon.

Das muss ich wie gesagt immer ausblenden, wenn ich das Gute in Kinski sehen will. Es gibt schon einiges, was man als gut bezeichnen könnte, zum Beispiel ein paar seiner Auftritte und Inszenierungen und die Tatsache, dass ich damals in "Das Parfum " -Uraufführung in dieser Stadt- selbst einen Auftritt hinlegte, der einem solchen von Kinski glich. Lange Geschichte wäre das, auf die ich gerade oder überhaupt nicht eingehen möchte.

Die Sache mit Franz-Xaver Kroetz. Franz-Xaver ist natürlich ein Arschloch (Entschuldigung!), den ich persönlich erlebte und lustig fand, gar unterhaltsam oder etwas dieser Art. Allerdings darf man dabei nicht außer Acht lassen, dass er seine inzwischen Ex-Frau wie den letzten Dreck behandelt hat. Er hat sie ausgenutzt und damals auch nur genommen, weil sie um so viele Jahre jünger war als er, der derzeitige Brandner Kaspar; und auch im wirklichen Leben: ein ziemlicher Kaspar

Bei "Blut und Bier" steht: Für Marie-Theres. Naja, wer's glaubt. (Unter "15 ungewaschene Stories" steht übrigens "Für Isabella, von Franz-Xaver Kroetz" und dann noch das Datum.)

Nichts für ungut, Franz, aber Maria Schell wird schon gewusst haben, warum sie dich bis auf den Tod nicht ausstehen konnte.

Und die Josefine, eine der Töchter, ist gerade mal so alt wie ich. Ein nettes, blondhaariges Mädchen, das sich auch in der Dramaturgie (neuerdings Regie und Schriftstellerei) versucht. Mal sehen.

Normalerweise, also unter normalen Umständen (aber man weiß ja nie, was kommt), würde ich jetzt wohl nicht über "Feuchtgebiete" und "Fleckenteufel" -zwei Bücher- berichten.

"Feuchtgebiete" ist schon etwas länger auf dem Markt und der "Fleckenteufel" steht als Neuerscheinung in den Regalen. Jemand fragte mich, ob ich mich dazu breitschlagen ließe, "Feuchtgebiete" zu lesen. Ich sah denjenigen an und dann auf das Buch und sagte, Okay, ja, bis morgen dann. Oder vielleicht sagte ich auch gar nichts und alles war ganz anders (Oh, oh, oh...ohoo.).

Naja, jedenfalls nahm ich dann das pinkfarbene Buch zur Hand und las es mir in eineinhalb Stunden durch, ehe ich es beiseite legen konnte und mich gleich mit. Ein scheiß Buch, dachte ich mir, aber es hat schon ein paar gute Stellen. Aber alles in allem ein scheiß Buch, das genau für diejenigen geschrieben wurde, die sonst nichts lesen, höchstens vielleicht noch Harry Potter oder Das Parfum (weil der Kinofilm so hipp war, kotz). Ich fand nichts an dem Buch und nachdenken wollte ich auch nicht unbedingt darüber. Das hat mich gewissermaßen gelangweilt, außerdem ist es schweineteuer, wenn man es auf dem konventionellen Weg erwerben möchte.

Kommen wir zum "Fleckenteufel". Zugegebenermaßen wollte ich gestern, als ich Stefan Raabs Sendung herzappte, nur mal den Autor des Buches "live-ohne-live" erleben. Er war mir von Anfang an eher unsympathisch, aber wahrscheinlich wäre ich mir das selbst, würde ich mich im Fernsehen betrachten und für einen Moment außer Acht lassen, dass ich mich ja bereits kenne, weil ich ich bin, sozusagen. Das Buch an sich ist eine nette Erfahrung für all diejenigen, die auch gelegentlich an Verstopfung leiden und vielleicht schon Gefallen an "Feuchtgebiete" fanden. Sozusagen der männliche Gegenpart.

Charlotte Roche und Heinz Strunck: Daumen eher runter

Aber vielleicht bin ich auch nur in einer schlechten Stimmung, die alles mies aussehen lässt und alles in den Dreck ziehen möchte. ich will das aber mal lieber bezweifeln, ehe ich mich selbst nicht mehr (aus)kenne.

Und natürlich habe ich, von allem Schwachsinn abgesehen, immer noch nichts getan, was mich voranbringen könnte. Mag heißen, ich sitze hier einfach nur rum, ohne was Erfolgbringendes zu tun und warte jetzt einfach mal auf das Ergebnis meiner Untersuchung und auf ein kleines Erdbeben. Ersteres kommt bald, nächsteres lässt wohl noch ein Weilchen auf sich warten, comprende. Oh, oh, oh...ohoo.

1 Kommentar 17.3.10 10:01, kommentieren

Etwas über James Dean!

Fürs Protokoll der in der Nacht Schlafenden und der am Tag Wachenden: Draußen scheint weder die Sonne, noch ist es stockfinster. Ein paar Laternen erleuchten die Straßen.

Die von vor ein paar Tagen, gar Stunden, geposteten Boxerbilder von mir nehme ich nun zum Anlass, um Regina Halmich für ihre effektiven Fitnessübungen zu danken: Meine Oberschenkel danken es mir auch!

Die Gegenwart meiner Mutter verlangt keine Ansprüche, das ist gut. Das Zusammensein mit vielen anderen Personen ist mir unangenehm, man muss bestimmte Anforderungen erfüllen, Gespräche aufrecht erhalten und all das. Oft vergesse ich, von einer anderen Person umgeben zu sein, dann gebe ich meine Karten ab und stehe vom Tisch auf, verlasse irgendein Zimmer. Eine Tür fällt ins Schloss, bald spricht niemand mehr davon und zwar früher als ich mir das oft einzureden versuche. Für die meisten Leute ist man, unabhängig davon, in welcher Beziehung man zu den Leuten stand, nur eine kurze Affäre, also nicht der Rede wert. Ich sehe eine Person, die ich flüchtig kannte und denke mir "Wenn du wüsstest, was ich alles über dich weiß." Die gleiche Person sieht mich an und denkt sich "Hm, kenne ich von irgendwoher."

Fakt ist, dass man folglich nicht von sich auf andere schließen sollte, so schrecklich abgegriffen das nun auch klingen mag.

Etwas über James Dean ist, wie es scheint, ein austauschbarer Eintrag, einer ohne Bedeutung, da der Titel nicht im Zusammenhang mit dem Inhalt steht.

Am Freitag beobachtete ich eine Tanzvorführung. Eine Ballettschule führte einstudierte Tänze vor. Zunächst tanzten die jüngsten Mädchen, formten die Händchen zu Knospen, dann wurde die Tür geschlossen und ich widmete mich irgendeinem Buch. Keine Ahnung, welches das war (ich stand übrigens in der Bücherei), aber zumindest etwas ohne Pumpgun.

Was erwartet man eigentlich davon, wenn man einen Thriller liest. Ich erwarte mir grundsätzlich nichts, was sollte ich mir auch erwarten. Erwartungshaltungen werden ja ohnehin nicht erfüllt. Allerdings finde ich es bedenklich, einen toten Hund, der zur Klärung eines Verbrechens Aufschluss bieten kann, einen ganzen Tag lang (oder gar länger?) liegen zu lassen, ehe sich ein "forensischer Anthropologe" seiner Metamorphose annimmt.

1 Kommentar 17.3.10 09:59, kommentieren

To be or not to be isn't the final question!

Vorwort:

Habe das Blog mal wieder mit einem Passwort gesichert, weil ich in der letzten Zeit unangenehme Schwingungen diesbezüglich empfangen habe. Wer weiß, wie lange der Zustand dieses Mal anhält.

Die Tatsache, dass ich jetzt den Führerschein mache und heute eineinhalb Stunden in der Fahrschule gesessen habe, ist ganz und gar surreal. Das ist wirklich das richtige Wort dafür, ein besseres gäbe es nicht. Die Zeit, die Gesichter, die Stimmen zogen an mir vorbei, als wäre ich gar nicht zugegen. Ja, bin ich denn etwa schizophren?

Ich darf nicht mehr so viel Zeit verstreichen lassen, ohne etwas Produktives getan zu haben. Lieber etwas Produktives tun als sich in einer Tour zu fragen, warum man nichts Produktives tun kann. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich tatsächlich so bin, wie ich mich fühle und beschreibe. Womöglich ist das eine Tarnung, eine Verzerrung (unfassbar, in ebendiesem Moment hat eine Stimme "verzerrt" gesagt; sie kam aus dem Fernsehapparat). Was auch immer es ist, es schadet mir auf Dauer, also muss ich dagegen angehen. Kann natürlich auch sein, dass ich hoffnungslos verloren bin und kränker sowie stärker als das die Realität erlaubt.

Alles möglich, nichts gänzlich unmöglich, sagt die Botschaft.

Ich lasse es übrigens Tag werden, ehe ich einschlafe, weil ich den Schattenseiten der Nacht entkommen will ("Die Nacht kann mich mal und kriegt mich nicht".).

Des Weiteren wünsche ich allen Lesern und Schaulustigen recht viel Spaß!

Also:

Musste über den inzwischen 19jährigen Jungen nachdenken, der damals in das Filmprojekt mit einsteigen wollte. Hatte sich, wovon ich ausgehe, nicht mal das Drehbuch durchgelesen, geschweige denn sich damit befasst. Das störte mich übrigens am allermeisten an dem Projekt. Alle möglichen Leute interessierten sich dafür und wollten mit einsteigen. In der Gruppe, die ich deswegen gegründet hatte, waren letztlich weit über 20 Leute. Auf die opt.-Anzeige meldeten sich auch einige. Und auf die Anzeige auf movie-college.de auch ein ganzer Schwung. Letztlich sprach ich nur für mich selbst, bekam Zuspruch von allen Seiten, der aber nicht von Bedeutung war, weil man selbst keinen Einsatz zeigen wollte. Überlegte damals, woran es gelegen haben könnte. Musste nicht lange überlegen, mir nur kurz die "Köpfe" ins Gedächtnis rufen. Waren größtenteils junge Frauen und Männer, die wohl von nichts eine Ahnung hatten. Meine Erwartungshaltung war ohnehin recht gering, schließlich weiß ich, wie die Leute sind. Was erwartete ich mir also. Im Grunde genommen nicht viel, ich wollte nur irgendetwas in die Wege leiten, das Formen annehmen sollte. Vermutlich hätte ich es durchziehen können, wäre ich dran geblieben. Ja, und genau das unterscheidet mich von den erfolgreichen Menschen. Erfolgreich ist man dann, wenn man Durchhaltevermögen hat, wenn man also nicht aufgibt, nicht dann, wenn man nicht mal den Versuch startet, etwas Erfolgbringendes in die Wege zu leiten. "Traurige Scheiße."

Dennoch, ich kann das nicht nachvollziehen. Doch schon, aber ich persönlich gehe mit Situationen, denen ich augenscheinlich ausweichen möchte, anders um. Oder was war das? Scheiße, mein Kopf muss so viel leisten, das ist echt widernatürlich. Frage mich dessenungeachtet, was das war. Ich sagte den Leuten konkret, was ich wollte, jeder stimmte mir zu, aber letztlich stand und saß ich in der Bar, sprach jedoch für mich selbst.

Haha. Man glaubt doch nicht wirklich, mich würde das heute noch in irgendeiner Weise tangieren. Ich wusste damals nämlich genau, dass das Projekt nicht zu Stande kommen würde. Brauchte mir eben nur die "Köpfe" anschauen. Und dann habe ich mir vorgenommen, nur mehr unter bestimmten Voraussetzungen Mühe und Zeit in eine Sache zu stecken, also beispielsweise in ein Filmprojekt. Ganz oder gar nicht, nur noch professionelle Angestellte und all das.

Ehrlich gesagt, haha, glaube ich nicht so recht daran, dass es jemals dazu kommen wird. Seien wir doch mal ehrlich, ich bin ein schwieriger Mensch, mit dem man in der Regel nicht allzu gerne zusammenarbeiten will. Klar, könnte ich mich auch zusammenreißen und all das. Mache ich schließlich in einer Tour. Aber wenn ich, wie gesagt, Mühe und Zeit in so ein Projekt stecke, will ich auch volle Initiative zeigen sowie sehen. Sowie sehen.

Oft genug bin ich am Boden zerstört, weil ich mir nicht vorstellen kann, bald 8 Stunden täglich zu arbeiten und mich mit Dingen zu befassen, die mich gar nicht interessieren. Das liegt mehr an der Tatsache, dass ich etwas machen muss, als daran, dass ich mich wirklich nicht dafür interessiere. Warum auch immer es so ist, aber ich habe verdammt nochmal keine Lust darauf, mich von irgendjemandem bestimmen zu lassen. Das mag reichlich dumm klingen, aber oft passiert es mir, dass ich die Wut kaum zurückhalten kann, die aufkommt, wenn mir jemand Dinge sagt, von denen er eigentlich überhaupt keine Ahnung hat. Jemand, der meint, er müsste mir sagen, ich sollte irgendetwas grundlegend verändern und dergleichen. Es gibt dafür im Übrigen keinen speziellen Anlass, ich will das nur mal klarstellen. Normalerweise sollte ich etwas ganz anderes machen. Was weiß ich..nicht in Deutschland leben, keinem normalen Beruf nachgehen und all sowas. Aber so funktioniert das nicht.

Genau genommen bin ich fast schon davon überzeugt, dass es für mich keinen richtigen Weg geben kann. Es gibt keinen richtigen Weg, weil ich an so gut wie nichts Spaß haben kann, weil ich alles als nervenaufreibend empfinde. Zum Beispiel weiß ich, dass ich ab Oktober diese Ausbildung beginne. Das stört mich immens, selbst heute, einige Monate zuvor. Wenn ich daran denke, nur mehr 6 Monate in meinem Zimmer, nur für mich, verbringen zu können, dann raubt mir das fast schon den Verstand. Davon mache ich alles abhängig, wenn ich zum Beispiel ein Buch lese, dann sage ich mir "Wenn du das ausgelesen hast, ist es vielleicht schon April. Dann sind es nur mehr 6 Monate." Und so weiter.

Der Junge, von dem ich am Anfang berichtete, wollte mich auch im Boot haben, als es um sein eigenes Projekt ging. Er hat bereits mit einem anderen zusammen, der übrigens auch beim Film mitmachen wollte, ein Projekt am Laufen und das schon über Jahre (er ist allerdings erst später eingestiegen). Er wollte jedenfalls Künstler aus der Region fördern, beziehungsweise will er das immer noch. Ich weiß nicht, was ich von Dingen dieser Art halten soll. Hat in dem Fall nicht zwangsläufig etwas mit Misstrauen zu tun. Aber oft frage ich mich: Wie effektiv ist die Geschichte?
Klar, alles ist besser als nichts tun, aber seien wir doch nochmal ehrlich: Ich habe keine Lust, mich mit irgendeiner Sache zu befassen. Lieber wollte ich etwas anderes. Nichts tun, nur das, was mir gerade vorschwebt, keine Ängste, nur noch für mich sein (nicht nur, aber oft genug).

Das kann ich mir nicht leisten, weil ich ein junger Mensch bin, der sich noch nicht mal sein eigenes Leben aufgebaut hat.

Vielleicht stimmt ja was mit meinem Gehirn nicht? Normal ist es jedenfalls nicht, dass man sein Leben nur mit sich alleine verbringen möchte. Ach, da fällt mir ein: Dr. Richard David Precht (wiki) hat über die Liebe -allgemein Zweisamkeit- gesprochen und davon, dass dieses Bedürfnis, das ich gerade beschrieben habe, einem Autismus schon sehr nahe kommen würde. Klar, ich sprach bereits vom Asperger Syndrom, weiß, dass ich in der Hinsicht recht gestört sein kann, was die Zweisamkeit anbelangt. Aber Dr. Richard David Precht (Foto) hat auch noch gesagt, dass das überhaupt kein schöner Zustand wäre, den man sich da herbeiwünschen würde, respektive für sich ausgesucht hat, dass das gar ein undenkbarer Zustand für viele Menschen wäre. Das hat mich etwas stutzig gemacht. Wenn jemand wie Herr Dr. Precht sagt, dass das gar ein undenkbarer Zustand wäre, dann wird es mir ein bisschen kalt um mein Herz. Okay, ich gebe zu, dass ich mir in meinem Leben nur allzu selten eine Person für eine unbestimmte Zeit herbeigesehnt habe, in meiner Nähe wissen wollte. Oft war ich froh, wenn ich beispielsweise irgendwo zu Besuch war, dass ich wieder abreisen konnte, dass ich wieder für mich allein sein konnte. Ich verbrachte im Alter von 18 eine lange Zeit in einer anderen Stadt -hauptsächlich aus Gewohnheit- und war immer regelrecht erleichtert, wenn ich wieder im Zug sitzen konnte. Dann fiel diese Last von mir, die sich über die Tage aufgestaut hatte. Ach Gott, ich kann es gar nicht genug betonen, ja, hervorschreien: Ich bin so gerne für mich alleine, wenn ich keinerlei Verpflichtungen nachgehen muss, wenn da überhaupt keine Ansprüche gestellt werden. Schließlich würde ich mir nie selbst widersprechen oder irgendeine Veränderung verlangen.

Dr. Precht sagte natürlich auch, so wie sich das für ein Referat zum Thema "Beziehung" gehört, dass man keine Ansprüche an den anderen stellen darf. Das habe ich übrigens schon vor Jahren gesagt oder gedacht. Jemand, der Ansprüche an seinen Partner stellt, mag vielleicht nicht ganz verkehrt liegen, wenn er das tut, weil es sicherlich ein paar Personen gibt, die sich diesen Anforderungen fügen. Aber das ist natürlich vollkommen falsch. Ich habe es immer so gehandhabt: Immer dann, wenn jemand destruktive Kritik an mir üben wollte, bin ich aufgestanden und nie wieder zurückgekommen.

In der Tat. Von Äußerlichkeiten will ich gar nicht erst sprechen. Hätte jemand auch nur den Versuch gestartet, mich diesbezüglich kritisieren zu wollen, ich hätte schallend aufgelacht und das gleiche getan wie bei der anderen Kritik: Ich wäre aufgestanden und wäre nie wieder zurückgekommen.

Aus ebendiesem Grund bin ich so gerne (wenn ich nicht gerne alleine bin, bin ich übrigens nicht nicht gerne alleine, sondern grundsätzlich nicht gerne ich selbst) alleine. Nur so kann ich zur Ruhe kommen. Nur so kann ich mich entspannen. Irgendwann werde ich ganz sicher entweder nicht mehr am Leben teilnehmen oder ich werde das mit dem Alleinsein für mich selbst in die Tat umgesetzt haben. Mag heißen: Keine Arbeit ["Arbeit"], ausreichend Geld, Menschen nur dann, wenn ich das wünsche, Ansehen und Trubel "auf meine Weise".

"Meine Weise" löst schon recht viel Glückseligkeit bei mir aus. Frage mich, meistens schon kurz nach dem Aufwachen, warum ich "dumme Sau" nicht dazu im Stande bin herauszufinden, wie ich es nennen möchte, was hier falsch läuft, warum ich mich so "beschissen" fühlen muss. Das hat nichts mit der Vergangenheit (Schon auch, aber das ist ein anderes Thema) zu tun, sondern mit der Zukunft, mit dem, was auf mich zukommt. Ist es falsch? So falsch? Ja? Wirklich? Verdammt.

Nein, es ist nicht falsch, es ist nur: Ich bin so verflucht deprimiert, über irgendeine Sache, die sich mir nicht offenbaren will.

"Oasis" weiß es heute auch nicht besser, also: Bett in vielen Stunden, gar Minuten, ich weiß es nicht.

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Zudem Schade, dass ich 05 und 09 nicht zur Buchmesse gefahren bin, 06 hingegen schon (viel, viel Wodka, auf der Rückfahrt schlief ich tief, nachdem ich Blut und Bier gelesen hatte; die Extemporale aus der Musik schrieb ich am nächsten Tag -nicht- mit (auch 04, 07, 08) (In Frankfurt war ich dann übrigens so betrunken, dass ich überhaupt keine Bilder machen konnte; erinnere mich nur daran, Günter Grass verspottet zu haben, Helge Timmerberg verfolgt zu haben und von der Security (aufgrund ein paar heikler Tatsachen) verfolgt worden zu sein. Dafür hatte ich in diesem Jahr so viele Bücher auf einen Schlag wie noch NIE!) (Das Gelände der Frankfurter Buchmesse (06) verließ ich (beziehungsweise wir) übrigens über die lange Auffahrt, die normalerweise nur von Bussen (so hatte ich es zumindest in Erinnerung) genutzt wurde, die von den Securities den Weg gewiesen bekamen (haha?); unsere Rucksäcke waren .ganz ernsthaft. prall gefüllt mit Büchern, wir waren ziemlich betrunken und gingen geradewegs an den Aufsehern vorbei, stiegen am Ende des Geländes angekommen über eine Absperrung (oder Zaun) und standen in einem nicht allzu mondänen Viertel der Stadt Frankfurt) Die Nacht verbrachten wir dann übrigens auf der Straße (an mehreren Stellen, unter anderem auf einer beleuchteten Platte (haha?) vor einer Bank (haha?) (wir gingen sogar mal am Hilton vorbei, irgendwo war eine coole Discothek, in die man reinschauen konnte, weil es quasi ein Glashaus war, später tranken wir irgendwo einen Wodkashot und im Anschluss dazu ein Glas Wasser, weil uns der Schweiß trotz Wassernot alarmierend auf der Stirn stand), später legten wir uns in die Bahnhofshalle) (Ich wünschte, ich hätte all das nicht getan, weil es schlichtweg ekelhaft und sittenwidrig war, eine allzu große Zeitverschwendung; all das eben, von A bis Z; hier nicht erwähnt und auch nirgendwo sonst)), siehe da:

Jetzt nochmal ohne Klammer, Frankfurt 06: Ich erinnere mich wieder, obschon ich mich nicht allzu gerne erinnere. Fuhren mit dem Zug nach Frankfurt, mit einem ICE (erst mit einem RE bis nach Nürnberg). Wollten nicht zahlen und fuhren erst mal schwarz. In einem ICE nicht allzu effektiv, wenn man bedenkt, dass der Schaffner einen früher oder später ohnehin drankriegt.. Allerdings erinnere ich mich an einen Mann, der kurz zuvor die Toilette aufgesucht hat, also auch kein Ticket gehabt haben muss. Wollte schon türmen, irgendwohin, blieben dann aber doch sitzen. Waren natürlich auch sichtlich betrunken. Der Schaffner kam also und fragte uns, ob wir zugestiegen wären und der Idiot neben mir antwortet mit "Ja." Ich bin jahrelang schwarz gefahren und spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass der Schaffner wieder weitergegangen wäre, hätten wir einfach "Nein." gesagt. Schließlich hat er die anderen Fahrgäste auch gefragt, also nicht nur uns. Nun mussten wir also 80 Euro zahlen. Schließlich kamen wir Frankfurt immer näher, wollten allerdings auf eine etwas markantere Haltestation warten als auf "Frankfurt Hauptbahnhof"(ha) und fuhren schließlich weiter als geplant. Die nächste Station war irgendein unscheinbarer Ort. Dort warteten wir also auf einen weiteren Zug. Als wir endlich in Frankfurt angekommen waren, fuhren wir mit der U-Bahn zum Messegelände. In der Bahn starrten mich fortwährend ein paar Japaner an, zeigten mit dem Finger auf mich und sprachen auch über mich. Das erzürnte mich..etwas. Irgendwann kauften wir uns also das Ticket für die Messe (waren zwar zu dem Zeitpunkt Schüler, hatten aber keinen Schülerausweis dabei und mussten den regulären Preis zahlen). Drinnen angekommen hatte ich schon überhaupt keine Lust mehr, was wohl größtenteils an meiner Begleitung lag. Sahen dann eben Günter Grass, liefen orientierungslos umher, begutachteten ein paar Bücher und so fort. Spät abends wollten wir den letzten Zug zurück nach Regensburg (plus Anschlusszug) erreichen. Allerdings hatten wir den letzten verpasst und mussten nun also die Nacht in Frankfurt verbringen. Weil wir uns zunächst nicht die ganze Nacht über in Frankfurt aufhalten wollten, fuhren wir mit dem Zug nach Bamberg (oder Würzburg?), überlegten uns schon, uns dort die Nacht um die Ohren zu schlagen, fuhren dann allerdings wieder zurück nach Frankfurt. Über die Nacht als solche berichtete ich bereits. Solche Tage möchte man am liebsten vergessen. So verhält man sich nicht, mit solchen Leuten gibt man sich nicht ab, das ist die größte Zeitverschwendung aller Zeiten.

17.3.10 09:58, kommentieren